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5 (1838) Immanuel Kant's Metaphysik der Sitten : in zwei Theilen, Rechtslehre, Tugendlehre, nebst den kleineren Abhandlungen zur Moral und Politik
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Beschluß der Elementarlehre.

nen, denn er sieht sich offenbar eine Stufe niedriger, verbindlich zusein und nicht gegenseitig verbinden zu können. Freundschaftist, bei der Süßigkeit der Empfindung des bis zum Zusammen-schmelzcn in eine Person sich annähernden wechselseitigen Besitzes,doch zugleich etwas so Zartes (tenerltas amieitiae), daß, wennman sie auf Gefühlen beruhen läßt, und dieser wechselseitigen Mt-theilung und Ergebung nicht Grundsätze,- oder feste, das Gemein-machen verhütende und die Wechselliebe durch Forderungen derAchtung einschränkende Regeln unterlegt, sie keinen Augenblick vorUnterbrechungen sicher ist; dergleichen unter uncultivirten Per-sonen gewöhnlich sind, ob sie zwar darum eben nicht immer Tren-nung bewirken, (denn Pöbel schlägt sich und Pöbel verträgt sich;)sie können von einander nicht lassen, aber sich auch nicht untereinander einigen, weil das Zanken selbst ihnen Bedürfniß ist, umdie Süßigkeit der Eintracht in der Versöhnung zu schmecken.Auf alle Fälle aber kann die Liebe in der Freundschaft nicht Af-fekt sein; weil dieser in der Wahl blind und in der Fortsetzungverrauchend ist.

tz. 47.

Moralische Freundschaft (zumUnterschiede von der ästhe-tischen) ist das völlige Vertrauen zweier Personen in wechselseitigerEröffnung ihrer geheimen Urtheile und Empfindungen, so weit siemit beiderseitiger Achtung gegen einander bestehen kann.

Der Mensch ist ein für die Gesellschaft bestimmtes, obzwardoch auch ungeselliges Wesen, und in der Cultur des gesellschaftli-chen Zustandes fühlt er mächtig das Bedürfniß sich Anderen zueröffnen, selbst ohne etwas dabei zu beabsichtigen; andererseitsaber wird er auch durch die Furcht vor dem Mißbrauch, den Anderevon dieser Aufdeckung seiner Gedanken machen dürften, beengt undgewarnt, und sieht er sich daher genöthigt, einen guten Theil seinerUrtheile, vornehmlich über andere Menschen, in sich selbst zu ver-schließen. Er möchte sich gern darüber mit irgend Jemand un-terhalten, wie er über die Menschen, mit denen er umgeht, wie