ziy Beschluß der Elementarlehre.
leicht zu ersehen. Denn wie ist es für den Menschen in Verhält«niß zu seinem Nächsten möglich, die Gleichheit eines der dazuerforderlichen Stücke ebenderselben Pflicht (z. B. des wechselseiti-gen Wohlwollens) in dem Einen mit ebenderselben Gesinnung imAnderen auszumitteln, oder, was noch mehr ist, zu erforschen, wel-ches -s) Werhältniß das Gefühl aus der einen Pflicht zu dem aus deranderen, (z. B. das aus dem Wohlwollen zu dem aus der Ach-tung) in derselben Person habe, und ob, wenn die eine in derLiebe inbrünstiger ist, sie nicht eben dadurch in der Achtung desAnderen etwas einbüße? Wie läßt sich also erwarten, daß vonbeiden Seiten Liebe und Hochschätzung subjektiv in das Ebenmaaßdes Gleichgewichts gebracht werden solle-s-j-), welches doch zurFreundschaft erforderlich ist? — Denn man kann jene als Anziehung,diese als Abstoßung betrachten, so daß das Princip der ersterenAnnäherung gebietet, das der zweiten sich einander in geziemendemAbstande zu halten fordert; eine Einschränkung der Vertraulichkeit,welche durch die Regel: daß auch die besten Freunde sich unter,einander nicht gemein machen sollen, ausgedrückt, eine Maximeenthält, die nicht blos dem Höheren gegen den Niedrigen, sondernauch umgekehrt gilt. Denn der Höhere fühlt, ehe man es sich ver-sieht, seinen Stolz gekränkt, und will die Achtung des Niedrigen,etwa für einen Augenblick aufgeschoben, nicht aber aufgehoben wis-sen,' welche aber einmal verletzt, innerlich unwiderbringlich verlorenist; wenngleich die äußere Bezeichnung derselben (das Ceremoniel),wieder in den alten Gang gebracht wird.
Freundschaft also in ihrer Reinigkeit oder Vollständigkeit alserreichbar (zwischen Orestes und Pylades, Theseus und Pirithous)gedacht, ist das Steckenpferd der Romanenschreiber; wogegen Ari-stoteles sagt: meine lieben Freunde, es gibt keinen Freund! Auch
t) Ausg>: „noch mehr aber welches"
-j-ch) 1. Ausg.: „so daß beiderseitige Liebe und Hochschaßmig subjecti»schwerlich in das Ebenmaaß des Gleichgewichts gebracht werden wird;"