39U Tugcndlehre. Eth. Elementar!. N. B. I. Hptst. ll. Abschn.
hämischen Lust an der Blossteilung der Fehler Anderer, um sichdadurch die Meinung, gut, wenigstens nicht schlechter, als alle an.dere Menschen zu sein, zu sichern, den Schleier der Menschenliebenicht blos durch Milderung unserer Urthcilc, sondern auch durchVerschweigung derselben, über die Fehler Anderer zu werfen; weilBeispiele der Achtung, welche wir Anderen geben, auch die Bestre- bung rege machen können, sie gleichmäßig zu verdienen. — Um^deswillen ist die Ausspähungssucht der Sitten Anderer (allotrio-exiscoxiia) auch für sich selbst schon ein beleidigender Vorwitz derMenschenkunde, welchem Jedermann sich mit Recht als einer Ver-lctzung der ihm schuldigen Achtung widcrsctzen kann.
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Die Verhöhnung,
tz. 44.
Die leichtfertige Ladelsucht und der Hang, Andere zumGelächter bloszustellen, die Spott sucht, um die Fehler. einesAnderen zum unmittelbaren Gegenstände seiner Belustigung zu machen,ist Bosheit, und von dem Scherz, der Vertraulichkeit unter Freunden,gewisse Sonderbarkeiten nur zum Schein als Fehler, in der Thataber als Vorzüge des Muths, bisweilen auch außer der Regel derMode zu sein, zu belachen, (welches dann kein Hohnlachenist,) gänzlich unterschieden. Wirkliche Fehler aber, oder, gleich alsob sie wirklich waren, angedichtete, welche die Person ihrer verdien-ten Ächtung zu berauben abgezweckt sind, dem Gelächter bloszustel-len, und der Hang dazu, die bittere Spottsucht (spiritus vausti-ens). hat etwas von teuflischer Freude an sich, und ist darum ebeneine desto härtere Verletzung der Pflicht der Achtung gegen andereMenschen.
Hievon ist doch die scherzhafte, wenngleich spottende Abweisungder beleidigenden Angriffe eines Gegners mit Verachtung (retorsio so-eoss) unterschieden, wodurch der Spötter (oder überhaupt ein scha-denfroher, aber kraftloser Gegner) gleichmäßig verspottet wird, und
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