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5 (1838) Immanuel Kant's Metaphysik der Sitten : in zwei Theilen, Rechtslehre, Tugendlehre, nebst den kleineren Abhandlungen zur Moral und Politik
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296
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L 96 Tugendlehre. Eth. Elementar!. U. B. I. Hptst. I. Abschn.

flehen, wenn alle Moralität der Menschen nur auf Rechtspflichten,doch mit der größten Gewissenhaftigkeit eingeschränkt, das Wohl-wollen aber unter die Adiaphora gezählt würde? Es ist nicht soleicht zu übersehen, welche Folge es auf die Glückseligkeit der Men-schen haben dürfte. Aber in diesem Fall würde es doch wenigstensan einer großen moralischen Zierde der Welt, nämlich der Menschen-liebe fehlen, welche also für sich, auch ohne die Vortheile (derGlückseligkeit) zu berechnen, die Welt als ein schönes moralischesGanze in ihrer ganzen Vollkommenheit darzustellen erfordert wird.

Dankbarkeit ist eigentlich nicht Gegenliebe des Verpflichtetengegen den Wohlthäter, sondern Achtung vor demselben. Denn derallgemeinen Nächstenliebe-s) kann und muß Gleichheit der Pflichtenzum Grunde gelegt werden; in der Dankbarkeit aber steht der Ver-pflichtete um eine Stufe niedriger, als sein Wohlthäter. Solltealso nicht die' Ursache so mancher Undankbarkeit der Stolz sein, einennicht über sich sehen zu wollen-s-s); der Widerwille, sich nicht invöllige Gleichheit, (was die Pflichtverhältnisse betrifft,) mit ihmsetzen zu können?

Von den der Menschenliebe gerade (contrarie) entgegen-gesetzten Lastern des Menschenhasses.

§. 36 .

Sie machen die abscheuliche Familie des Neides, der Un-dankbarkeit und der Schadenfreude aus. Der Haß istaber hier nicht offen und gewaltthätig, sondern geheim und ver-schleiert, welches zu der Pflichtvergessenheit gegen seinen Nächstennoch Niederträchtigkeit hinzuthut, und so zugleich die Pflicht gegensich selbst verletzt.

») Der Neid (livor) als Hang, das Wohl Anderer mitSchmerz wahrzunehmen, obzwar dem Seinigm dadurch kein Ab-

°t) 1. Ausg.:der Nächstenliebe"

chch) 1. Ausg.:Sollte das nicht die Ursache so mancher Undankbarkeitsein, nämlich der Stolz, einen über sich zu sehen:"