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5 (1838) Immanuel Kant's Metaphysik der Sitten : in zwei Theilen, Rechtslehre, Tugendlehre, nebst den kleineren Abhandlungen zur Moral und Politik
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295
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der Einbildungskraft) anstecken lasse, so leiden ihrer zwei; obzwardas Nebel eigentlich (in der Natur) nur Einen trifft. Es kannaber unmöglich Pflicht sein, die Nebel in der Welt zu vermehren,mithin auch nicht aus'Mitleid wohlzuthun; wie dann auch einebeleidigende Art des Wohlthuns, Barmherzigkeit genannt, dieein Wohlwollen ausdrückt, was sich auf den Unwürdigen bezieht,unter Menschen, welche mit ihrer Würdigkeit glücklich zu sein ebennicht prahlen dürfen, respectiv gegen einander gar nicht Vorkom-men sollte-s).

ß. 35.

Obzwar aber Mitleid, und so auch Mitfreude mit Anderenzu haben, an sich selbst nicht Pflicht ist, so ist doch thätige Theil-nehmung an ihrem Schicksale Pflicht, und zu dem Ende also diemitleidigen natürlichen (ästhetischen) Gefühle in uns zu cultivirenund sie, als so viele Mittel zur Theilnchmung aus moralischenGrundsätzen und dem ihnen gemäßen Gefühl zu benutzen, wenigstensindirekte Pflicht s-s). So ist es Pflicht: nicht die Stellen, wosich Arme befinden, denen das Nothwendigste abgeht, zu umgehen,sondern sie aufzusuchen, nicht die Krankenstuben, oder die Gefäng-nisse der Schuldner und dergl. zu fliehen, um dem schmerzhaftenMitgefühl, dessen man sich nicht erwehren könne, auszuweichen;«eil dieses doch einer der in uns von der Natur gelegten Antriebeist, dasjenige zu thun, was die Pflichtvorstellung für sich alleinnicht ausrichten würde.

Casuistische Fragen.

Würde es mit dem Wohl der Welt überhaupt nicht besser

-i) 1. Ausg.:wie dann dieses auch eine beleidigende Art des Wohl,thuns sein würde, indem es ein Wohlwollen ... bezieht und Barmherzigkeitgenannt wird, unter Menschen, welche ... prahlen dürfen, und respectiv... sollte."

ick) 1. Ausg.:so ist es doch thätige Theilnehmung an ihrem Schick-sale und zu dem Ende also indirecte Pflicht, die mitleidigen natürlichen ...zu benutzen."