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Von der Liebespflicht gegen andere Menschen. §. 27. 887
gedacht wird, im thätigen Wohlwollen gesetzt werden, und betrifftalso die Maxime der Handlungen. — Der, welcher am Wohlsein(«»Ins) der Menschen, sofern er sie blos als solche betrachtet, Ver-gnügen findet, dem wohl ist, wenn es jedem Anderen wohl ergeht,heißt ein Menschenfreund (Philanthrop) überhaupt. Der, wel-chem nur wohl ist, wenn es Anderen übel ergeht, heißt Menschen-feind (Misanthrop in praktischem Sinne). Der, welchem es gleich-gültig ist, wie es Anderen ergehen mag, wenn es ihm selbst nurwohl geht, ist ein Selbstsüchtiger (svlipsista). — Derjenige aber,welcher Menschen flicht, weil er kein Wohlgefallen an ihnenfinden kann, ob erzwar allen wohl will, würde menschenscheu(ästhetischer Misanthrop), und seine Mehrung von Menschen An-thropophobie genannt werden können.
tz. 27.
Die Maxime des Wohlwollens (die praktische Menschenliebe)ist aller Menschen Pflicht gegen einander; man mag diese nunliebenswürdig finden oder nicht, nach dem ethischen Gesetz der Voll-kommenheit: Liebe deinen Nebenmenschen als dich selbst. — Dennalles moralisch-praktische Verhältniß gegen Menschen ist ein Ver-haltniß derselben in der Vorstellung der reinen Vernunft, d. i. derfreien Handlungen nach Maximen, welche sich zur allgemeinen Ge-setzgebung qualificiren, die also nicht selbstsüchtig (ex solff^ismoliroäeuiites) sein können. Ich will jedes Anderen Wohlwollen(beiievolentiam) gegen mich; ich soll also auch gegen jeden Anderenwohlwollend sein. Da aber alle Andere außer mir nicht Allesind, mithin die Maxime nicht die Allgemeinheit eines Gesetzes ansich haben würde, welche doch zur Verpflichtung nothwendig ist; sowird das Pflichtgesetz des Wohlwollens mich als Object desselben imGebot der praktischen Vernunft mit begreifen; nicht als ob ichdadurch verbunden würde, mich selbst zu lieben, (denn das geschiehtohne das unvermeidlich, und dazu gibts also keine Verpflichtung,)sondern die gesetzgebende Vernunft, welche in ihrer Idee der Mensch-heit überhaupt die ganze Gattung, (mich also mit) einschlicßt, schließt