270 Tugendlehre. Eth. Elementar!. I- B. l. Abth. II. Hptst.
Schmeichler, oder gar, (was freilich nur im Grad von dem Vorigenunterschieden ist,) Bettler. Daher seid wirthschaftlich, damit ihrnicht bettelarm werdet. — Das Klagen und Winseln, selbst dasblose Schreien bei einem körperlichen Schmerz ist euer schon unwerth,am Meisten, wenn ihr euch bewußt seid, ihn selbst verschuldet zuhaben. Daher die Veredlung (Abwendung der Schmach) des Todeseines Delinquenten durch die Standhaftigkeit, mit der er stirbt. —Das Hinknieen oder Hinwerfen zur Erde, selbst um die Verehrunghimmlischer Gegenstände sich dadurch zu versinnlichen, ist der Men-schenwürde zuwider, so wie die Anrufung derselben in gegenwärtigenBildern; denn ihr demüthigt euch alsdann nicht unter einem Ideal,das euch eure eigene Vernunft vorstellt, sondern unter einem Idol,was euer eigenes Gemächscl ist.
Casliistische Fragen.
Ist nicht in dem Menschen das Gefühl der Erhabenheit seinerBestimmung, d. i. die Gemüthserhebung (elatio animi) alsSchätzung seiner selbst, mit dem Eigendünkel (arrozantia) , wel-cher der wahren Demuth (llnmilitas moralis) gerade entgegen-gesetzt ist, zu nahe verwandt, als daß zu jener aufzumuntern esralhsam wäre; selbst in Vergleichung mit anderen Menschen, nichtblos mit dem Gesetz? oder würde diese Art von Selbstverleugnungnicht vielmehr den Ausspruch Anderer bis zur Geringschätzung unsererPerson steigern, und so der Pflicht (der Achtung) gegen uns selbstzuwider sein? Das Bücken und Schmiegen vor einem Menschenscheint in jedem Fast eines Menschen unwürdig zu stin.
Die vorzüglichste Achtungsbezeigung in Worten und Manieren,selbst gegen einen nicht Gebietenden in der bürgerlichen Verfassung,— die Reverenzen, Verbeugungen (Complimente), höfische, — denUnterschied der Stände mit sorgfältiger Pünktlichkeit bezeichnendePhrasen, — welche von der Höflichkeit, (die auch sich gleich Achten-den nothwendig ist,) ganz unterschieden sind, — das Du, Er, Ihrund Sie, oder Ew. Wohledlen, Hochedcln, Hochedelgeboren, Wohl-geboren (olle, gsm satiz est!) in der Anrede, — als in welcher