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II. Art. Vom Geize. §. io.
vermindertes, oder vielmehr verschwindendes Laster sein, und dieFolge wäre in dem gegenwärtigen Fall: daß von den Mitteln deSWohllebens gar keinen Gebrauch zu machen, die ächte Tugcndpflicht sei.
Nicht das Maaß der Ausübung sittlicher Maximen, sonderndas objective Princip derselben, muß als verschieden erkannt undvorgetragen werden, wenn ein Laster von der Tugend unter-schieden werden soll. — Die Maxime der verschwenderi-schen Habsucht ist: alle Mittel des Wohllebens lediglich in derAbsicht auf den Genuß anzuschaffcn -s). — Diedes kargenGeizes ist hingegen der Erwerb sowohl, als die Erhaltung allerMittel des Wohllebens, wobei man sich blos den Besitz zumZwecke macht, und sich des Genusses entäußert H).
Also ist das eigenthümliche Merkmal des letzteren Lasters derGrundsatz des Besitzes der Mittel zu allerlei Zwecken, doch mitdem Vorbehalt, keines derselben für sich brauchen zu wollen undsich so des angenehmen Lebensgenusses zu berauben; welches derPflicht gegen sich selbst in Ansehung des Zwecks gerade entgegenge-setzt ist *). Verschwendung und Kargheit sind also nicht durch den
ch) 1. Ausg.: „die Marimc des habsüchtigen Geizes (als Ver-schwenders) ist: alle Mittel des Wohllebens in der Absicht auf den Genußanzuschaffen und zu erhalten."
-sich) Statt der Worte: „wobei man — entäußert" hat die 1. Ausg.:„aber ohne Absicht auf den Genuss, (d. i. ohne daß dieser, sondern nur derBesitz der Zweck sei.)"
*) Der Satz: man soll keiner Sache zu viel oder zu wenig thun, sagtsoviel, als nichts; denn er ist tautologisch. Was heißt zu viel thun? A n tw.Mehr, als gut ist; was heißt zu wenig thun? Antw. Weniger thun,als gut ist. Was heißt: ich soll (etwas thun oder unterlassen)? Antw.Es ist nicht gut (wider die Pflicht), mehr oder auch weniger zu thun, alsgut ist. Wenn das die Weisheit ist, die zu erforschen wir zu den Alten(dem Aristoteles), gleich als solchen, die der Quelle naher waren, zurück-kehrcn sollen-h); so haben wir schlecht gewählt, uns an ihr Orakel zu wen-den. — Es gibt zwischen Wahrhaftigkeit und Lüge (als cuntt-acllctorievj'zwsitis) kein Mittleres; aber wohl zwischen Offenherzigkeit und Zurückhal-
-s) Hier folgen in der t.Ausg. noch die, schon oben (S.231.) angcführ-
ten Sprühe: ,,virtu5 consixlit »n inorliuiii U nueri; est
iu'»<!us iu lokus, «zuos ulliu dliLiijui: eousisleie reolu.»». "