26i Lugendlehre. Ech. Elementar!. l. B. l. Ablh- II. Hptst.
Zweiter Artikel.
V o m G e i z e.
tz- 10.
Ich verstehe hier unter diesem Namen nicht den habsüchti-gen Geiz, (den Hang zur Erweiterung-s) seines Erwerbs derMittel zum Wohlleben über die Schranken des wahren Bedürfnis-ses;) denn dieser kann auch als blose Verletzung seiner Pflicht (derWohlthätigkeit) gegen Andere betrachtet werdln: sondern H) denkargen Geiz, welcher, wenn er schimpflich ist, Knickerei oderKnauserei genannt wird, uud zwar nicht insofern er in Vernachläs-sigung seiner Liebespflichten gegen Andere besteht; sondern inso-fern als die Verengung seines eigenen Genusses der Mittel zumWohlleben unter das Maaß des wahren Bedürfnisses der Pflichtgegen sich selbst widerstreitetssss-s).
An der Rüge dieses Lasters kann man ein Beispiel von derUnrichtigkeit aller Erklärung der Tugenden sowohl, als Laster, durchden blosen Gr ah deutlich machen und zugleich die Unbrauchbar-keit des Aristotelischen Grundsatzes darthun: daß die Tugendin der Mittelstraße zwischen zwei Lastern bestehe.
Wenn ich nämlich zwischen Verschwendung und Geiz die guteWirthschaft als das Mittlere ansehe, und dieses das Mittlere desGrades sein soll; so würde ein Laster in das (ooutrsris) entge-gengesetzte Laster-j-sH), die Tugend, nicht anders übergehen, alsdurch die Tugend, und so würde diese nichts Anderes, als ein
ch) 1. Auög.: „Geiz (der Erweiterung u. s. w. ' -
chch) 1. Ausg.: „auch nicht"
ckchch) Statt der Worte: „und zwarnicht — widerstreitet", hat die 1 . Ausg.Folgendes: „aber doch bloS Vernachlässigung seinerLiebeSpfiichten gegen Anderesein kann; sondern die Verengung seines eigenen Genusses der Mittelzum Wohlleben unter das Maaß des eigenen wahren Bedürfnisses, dieserGeiz ist eS eigentlich, der hier gemeint ist, welcher der Pflicht gegen sich selbstwiderstreitet."
1"rvr) l. Ausg.: „in das (conlrLrie) Entgegengesetzte"