258 Tugendlehre. Eth. Elementar!. I. B. I- Abth. I. Hptst.
in einen solchen Zustand zu versetzen, Verletzung einer Pflicht widersich selbst sei, fällt von selbst in die Augen. Die erste dieser Er-niedrigungen, selbst unter die thierische Natur, wird gewöhnlichdurch gegohrene Getränke, aber auch durch andere betäubende Mittel,als den Mohnsaft und andere Producte des Gewächsreichs, bewirkt,und wird dadurch verführerisch, daß dabei auf eine Weile eine ge-träumte Glückseligkeit und Sorgcnfreiheit, ja wohl auch eingebildeteStärke hervorgebracht; schädlich aber dadurch, daß nachher Nie-dergeschlagenheit und Schwäche, und, was das Schlimmste ist, Nokh-wendigkeit, diese Betäubungsmittel zu wiederholen, jawohl gar da-mit zu steigern, eingeführt wird. Die Gefräßigkeit ist insofern nochunter jener thierischen Sinnenbelustigung, daß sie blos den Sinnals passive Beschaffenheit und nicht einmal die Einbildungskraft,wobei doch noch ein thätiges Spiel der Vorstellungen Stattfindet, wie im vorerwähnten Genuß der Fall ist, beschäftigt; mit-hin sich dem viehischen Genüsse ss) noch mehr nähert.
Casuiftische Fragen.
Kann man dem Wein, wenngleich nicht als Panegyrist, dochwenigstens als Apologet, einen Gebrauch »erstatten, der bis nahean die Berauschung reicht; weil er doch die Gesellschaft zur Ge-sprächigkeit belebt, und damit Offenherzigkeit verbindet? — Oderkann man ihm wohl gar das Verdienst zugestehen, das zu beför-dern, was Horaz ss-f) vomCato rühmt: vlrtus «ffus üicsluit mero?— Wer kann aber das Maaß für einen bestimmen, der in denZustand, wo er zum Messen keine klaren Augen mehr hat, über-zugehen eben in Bereitschaft istkUss) Der Gebrauch des Opiumund Brantweins sind, als Genießmittel, der Niederträchtigkeitnäher, weil sie, bei dem geträumten Wohlbefinden, stumm, zurück-
ch) 1. Aut-g.: „dem des Viehes"
-H1-) 1- Ausg : „Sciicca"
-i-h-i-) Die Worte - „ Wer kann - in Bereitschaft ist?" stehen in der 1. AuSg.n a ch dem zunächst folgende» Satze.