inneren Freiheit möglichen) Zwang; wozu aber, weil er unwider-stehlich sein soll, Stärke erforderlich ist, deren Grad wir nur durchdie Größe der Hindernisse, die der Mensch durch seine Neigungensich selber schafft, schätzen können. Die Laster, als die Brut gesetz-widriger Gesinnungen, sind die Ungeheuer, die er nun zu bekämpfenhat: weshalb diese sittliche Stärke auch, als Tapferkeit (korti-tuäo moralis), die größte und einzige wahre KriegSehre des Men-schen ausmacht; auch wird sie die eigentliche, nämlich praktischeWeisheit genannt, weil sie den Endzweck des Daseins desMenschen auf Erden zu dem ihrigen macht. — In ihrem Besitz istder Mensch allein frei, gesund, reich, ein König u. s. w. und kannweder durch Zufall, noch Schicksal einbüßen; weil er sich selbstbesitzt und der Tugendhafte seine Tugend nicht verlieren kann.
Alle Hochpreisungen, die das Ideal der Menschheit in ihrermoralischen Vollkommenheit betreffen, können durch die Beispieledes Widerspiels dessen, was die Menschen jetzt sind, gewesen sind,oder vermuthlich künftig sein werden, an ihrer praktischen Realitätnichts verlieren, und die Anthropologie, welche aus blosen Er-fahrungserkenntnissen hervorgeht, kann der Anthroponomie,welche von der unbedingt gesetzgebenden Vernunft ausgestellt wird,keinen Abbruch thun, und, wiewohl Tugend (in Beziehung aufMenschen, nicht aufs Gesetz) auch hin und wieder verdienstlich heißenund einer Belohnung würdig sein kann, so muß sie doch für sichselbst, so wie sie ihr eigener Zweck ist, auch als ihr eigener Lohnbetrachtet werden.
Die Tugend, in ihrer ganzen Vollkommenheit betrachtet, wirdalso vorgestellt, nicht wie der Mensch die Tugend, sondern als obdie Tugend den Menschen besitze; weil es im ersteren Falle so aus-sehen würde, als ob er noch die Wahl gehabt hätte, (wozu er als-dann noch einer anderen Tugend bedürfen würde, um die Tugendvor jeder anderen ihm -s) angebotenen Waare zu erlesen.) — EineMehrheit der Tugenden sich zu denken, (wie es denn unvermeidlich