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5 (1838) Immanuel Kant's Metaphysik der Sitten : in zwei Theilen, Rechtslehre, Tugendlehre, nebst den kleineren Abhandlungen zur Moral und Politik
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226
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Tugendlchre.

haben, oder sich ein solches zu erwerben; denn alles Bewußtseinder Verbindlichkeit legt dieses Gefühl zum Grunde, um sich derNöthigung, die im Pflichtbegriffe liegt, bewußt zu werden; sondernein jeder Mensch, (als ein moralisches Wesen,) hat es ursprünglichin sich; die Verbindlichkeit aber kann nur darauf gehen, es zucultiviren und, selbst durch die Bewunderung seines unerfyrsch-lichen Ursprungs, zu verstärken: welches dadurch geschieht, daß ge-zeigt wird, wie es, abgesondert von allem pathologischen Reize undin seiner Reinigkeit, durch blose Vernunftvorstellung eben am Stärk-sten erregt wird.

Dieses Gefühl einen moralischen Sinn zu nennen ist nichtschicklich; denn unter dem Wort Sinn wird gemeiniglich ein theore-tisches, auf einen Gegenstand bezogenes Wahrnehmungsvermögenverstanden; dahingegen das moralische Gefühl, (wie Lust und Unlustüberhaupt) etwas blcs Subjectives ist, was kein Erkcnntniß abgibt.Ohne alles moralische Gefühl ist kein Mensch; denn bei völliger Un-empfänglichkeit für diese Empfindung wäre er sittlich todt, undweyn, (um in der Sprache der Aerzte zu reden,) die sittliche Le-benskraft keinen Reiz mehr auf dieses Gefühl bewirken könnte, sowürde sich die Menschheit (gleichsam nach chemischen Gesetzen) indie blose Thierheit auflösen und mit der Masse anderer Naturwesenunwiederbringlich vermischt werden.' Wir haben aber für das(sittlich-) Gute und Böse ebenso wenig einen besonderen Sinn,,als wir einen solchen für die Wahrheit haben, ob man sich gleichoft so ausdrückt, sondern Empfänglichkeit der freien Willkührfür die Bewegung derselben durch praktische reine Vernunft und ihrGesetz, und das ist es, was wir da§ moralische Gefühl nennen.

b.

Vom Gewissen.

Ebenso ist das Gewissen nicht etwas Erwerbliches, und es gibtkeine Pflicht, sich eines anzuschaffen; sondern jeder Mensch, als sitt-liches Wesen, hat ein solches ursprünglich in sich. Zum Gewissenverbunden zu sein, würde so viel sagen, als: die Pflicht auf sich