Druckschrift 
5 (1838) Immanuel Kant's Metaphysik der Sitten : in zwei Theilen, Rechtslehre, Tugendlehre, nebst den kleineren Abhandlungen zur Moral und Politik
Entstehung
Seite
203
Einzelbild herunterladen
 

Einleitung.

203

> ikki, aLiii;i ^»^iiMdlchi

> ka eÜDkimni»üu, «Mu Mü tW wih c

:rtr ^

i-r»'

.- S<^

erkennen, doch zu übertreten, und selbst, wenn sie es befolgen, esdennoch ungern (mit Widerstand ihrer Neigung) zu thun, alsworin der Zwang eigentlich besteht*). Da aber der Menschdoch ein freies (moralisches) Wesen ist, so kann der Pflichtbcgriffkeinen anderen, als den Sclbstzwang (durch die Vorstellung desGesetzes allein) enthalten, wenn es auf die innere Willensbestimmung(die Triebfeder) angesehen ist, denn dadurch allein wird es möglich,jene Nöthigung (selbst, wenn sie eine äußere wäre,) mit derFreiheit der Willkühr zu vereinigen, wobei aber alsdann der Pflicht-begriff ein ethischer sein wird.

Die Antriebe der Natur enthalten also Hindernisse derPflichtvollzichung im Gemüth des Menschen, und, zum Theilmächtig, widerstrebende Kräfte, die also zu bekämpfen, und durchdie Vernunft, nicht erst künftig, sondern gleich jetzt (zugleich mitdem Gedanken) zu besiegen er sich vermögend urtheilen muß: näm-lich das zu können, was das Gesetz unbedingt befiehlt, daß erthun soll.

Nun ist das Vermögen und der überlegte Vorsatz einem starken,aber ungerechten Gegner Widerstand zu thun, die Tapferkeittkortituüo) und in Ansehung des Gegners der sittlichen Gesinnungin uns, Tugend (virtus, kortitullo morslis). Also ist dieallgemeine Pflichtenlehre in dem Theil, der nicht die äußere Freiheit,sondern die innere unter Gesetze bringt, eine Tugendlehre.

*) Der Mensch aber findet sich doch als moralisches Wesen zugleich,wenn er sich objectiv, wozu er durch seine reine praktische Vernunft bestimmtist (nach der Menschheit in seiner eigenen Person), betrachtet, heiliggenug, um das innere Gesetz ungern zu übertreten; denn cs gibt keinen soverruchten Mensche», der bei dieser Ucbertretung in sich nicht einen Wider-stand fühlte, und eine Verabscheuung seiner selbst, bei der er sich selbst Zwanganthun muß. Das Phänomen nun: daß der Mensch ans diesem Scheide-wege, (wo die schöne Fabel den Hercules, zwischen Tugend und Wollust hin-stellt,) mehr Hang zeigt, der Neigung, als dem Gesetz Gehör zu gebe», zuerkläre» ist unmöglich; weil wir, was geschieht, nur erklären können, indemwir es von einer Ursache »ach Gesetzen der Natur ableitcn; wobei wir aberdie Willkühr nicht als frei denken würden. Dieser wechselseitig entgegen-gesetzte Selbstzwaug aber, und die Unvermeidlichkeit desselben gibt doch dieunbegreifliche Eigenschaft der Freiheit selbst zu erkennen.