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Allein mit den Lehren der Sittlichkeit ist es anders bewandt.Sie gebieten für Jedermann, ohne Rücksicht auf seine Neigungenzu nehmen; blos weil und sofern er frei ist und praktische Vernunfthat. Die Belehrung in ihren Gesetzen ist nicht aus der Beobachtungseiner selbst und der Lhierheit in ihm, nicht aus der Wahrnehmungdes Weltlaufs geschöpft, von dem was geschieht und wie gehandeltwird, (obgleich das deutsche Wort Sitten, ebenso wie das latei-nische moros, nur Manieren und Lebensart bedeutet,) sondern dieVernunft gebietet, wie gehandelt werden soll, wenngleich noch keinBeispiel davon angetroffen würde; auch nimmt sie keine Rücksichtauf den Vortheil, der uns dadurch erwachsen kann, und den freilichnur die Erfahrung lehren könnte. Denn ob sie zwar erlaubt, un-seren Vortheil auf alle uns mögliche Art zu suchen; überdem auchsich, auf Erfahrungszeugnisse fußend, von der Befolgung ihrer Ge-bote, vornehmlich wenn Klugheit dazukommt, im Durchschnittegrößere Vortheile, als von ihrer Übertretung wahrscheinlich ver-sprechen kann; so beruht darauf doch nicht die Auctorität ihrer Vor-schriften als Gebote, sondern sie bedient sich derselben (als Nath-schläge) nur als eines Gegengewichts wider die Verleitungen zumGegentheil, um den Fehler einer parteiischen Wage in der praktischenBeurtheilung vorher auszugleichen, und alsdenn allererst dieser, nachdem Gewicht der Gründe a priori einer reinen praktischen Vernunft,den Ausschlag zu sichern.
Wenn daher ein System der Erkenntniß » priori aus blosenBegriffen Metaphysik heißt; -so wird eine praktische Philosophie,welche nicht Natur, sondern die Freiheit der Willkühr zum Objectehat, eine Metaphysik der Sitten voraussetzen und bedürfen: d. i.eine solche zu haben ist selbst Pflicht, und jeder Mensch hat sieauch, obzwar gemeiniglich nur auf dunkle Art in sich; denn wiekönnte er ohne Principien » priori eine allgemeine Gesetzgebung insich zu haben glauben? So wie es aber in einer Metaphysik derNatur auch Principien der Anwendung jener allgemeinen oberstenGrundsätze von einer Natur überhaupt auf Gegenstände der Er-fahrung geben muß; so wird es auch eine Metaphysik der Sitten