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4. Kapitel. Die Kolonien.
nnd kräftigen gekauft, dagegen solche, denen Finger oder Nägel fehlten oderdie mit Gebrechen behaftet waren — Uagrouos genannt — zurückgewiesen.
„Die abgenommenen Sklaven mußten zu zwanzig nnd dreißig nieder-knien; die rechte Schulter derselben wurde mit Palmöl bestrichen undhierauf mittelst eines Stempels, der die Initialen 0-.4.U-6 (churfürstlichafrikanisch-brandenburgische Compagnie) trug, gebrannt; dann wurden siein den für sie bestimmten llnterkunftsräumen streng bewacht. Waren etwa50 oder 100 Sklaven beisammen, so wurden sie zu zweien oder dreien- zusammengekoppelt und unter Eskorte an die Küste getrieben. Mir lagdie Überwachung des Transports ob, zu welchem Zwecke ich in einerHängematte hinterher getragen wurde, so daß ich die Kolonne übersehenkonnte. An der Küste angelangt, landeten auf ein verabredetes Signaldie Schifssbvote, um die schwarze Ladung an Bord zu nehmen. Einigedieser Unglücklichen folgten willen- und widerstandslos ihren Führern,selbst wenn sie durch die Peitsche zur Eile angetrieben wurden; anderedagegen heulten und tanzten; doch gab es auch viele, namentlich Weiber,welche die Luft mit herzzerreißendem Geschrei erfüllten, das kaum durchdie Trommel oder andere lärmende Instrumente übertönt werden konnteund mir oft in das Herz schnitt. Doch lag es nicht in meiner Kraft,das Schicksal dieser Unglücklichen zu ändern.
„Auf dem Rückwege wurde dann die etwa 100 Köpfe zählende Neger-eskorte zum Weitertransport der vom Schisse gelandeten Waaren ver-wendet, deren Überwachung mir gleichfalls oblag, die jedoch bei dem. diebischen Charakter dieser in Wolle gefärbten Hallunken mit Unannehm-lichkeiten mancherlei Art verbunden war. Nicht allein, daß die Trägermit Güte oder Strenge zur Beschleunigung ihres Marsches angetriebeuwerden mußten, ließen dieselben solche Fässer, in denen sie die kleinenzierlichen Muscheln vermuthetcn, absichtlich oder zufällig fallen oder be-schädigten sie auf andere Art, wobei ein Theil des herausgefallenenInhalts in ihre großen Strohhüte wandcrtc. — Als ich ans einem derTransporte die Diebe in üa^rauti ertappte und sie mit meinem Seiten-gewehr durchprügeln wollte, machte ich das Übel insofern ärger, als dieKerle das Faß hinwarfen und dann das Weite suchten, so daß ich Mühehatte, dasselbe durch andere Träger an den Ort der Bestimmung zu schassen.
„Am 4. April war das Schiff endlich mit 738 Sklaven beiderleiGeschlechts beladen, so daß wir uns vom Könige verabschieden und aufdas Schiff zurückkehreu konnten. In Sänften bis zum Strande getragen,beschenkten wir unsere Träger und Begleiter mit Branntwein und be-stiegen alsdann das Boot. — Abends erreichten wir, durchnäßt, sonn-verbrannt, zerstochen von Moskitos und anderem Ungeziefer, glücklich das