Musivische Glasmalereien in strengem alten Styl, besonders odervielmehr unter allen Umständen Figuren- oder Medaillon-Fenster sowiebessere Teppidhfenster sollten, wie dies in der Linnicher Kunst-Anstaltseit Jahren geschieht, nur aus diesem vorzüglichen, wenn auch theurenMaterial angefertigt werden. Nur durch das Antikglas lässt sich beirichtiger Vertheilung die glänzende und doch wieder so ruhig wirkendeFarbenpracht der alten Fenster erreichen. Auch einfache Kunstver-glasungen, aus diesem Glase hergestellt, machen einen vorzüglichenEindruck.
Es gibt in der Masse gefärbtes und Ueberfang-Antikglas. InDeutschland wurde es zuerst in Schliersee in Bayern angefertigt; jetztliefern auch gutes Antikglas die Hütten von Buchenau. Das beste Materialliefert nach wie vor England.
Neben dem einfachen Ueberfangglas stellt man jetzt auch Doppelt-Ueberfangglas her, so dass auf jeder Seite der weissen, innerenSchicht eine andere farbige Schicht sich vorfindet') auch fertigt manUeberfang auf farbigem Glase an; so haben wir Roth auf Blau, aufGelblich usw. * 2 ) Durch das Wegätzen der Ueberfangschicht mittelsFlusssäure erscheint dann die Grundfarbe; hierdurch, sowie durch Auf-trägen des s. g. Silbergelb lassen sich sehr schöne Wirkungen erzielen 3 '.
Zu erwähnen ist noch das gesundete oder Sandelglas, eineNachahmung des Antikglases; es wird hergestellt, indem eine Seite durch-sichtigen Glases in halbgeschmolzenem Zustande gegen eine mit Sandbestreute Fläche gepresst wird.
Ferner sei noch an die bekannten Butzenscheiben und diesogenannten Knöpfchen erinnert, welche in verschiedenen Farbenhergestellt werden, und welche bei Kunstverglasungen schöne Wirkunghervorbringen.
nicht jedes Blau passt zu jedem Roth usw. Es ist also wohl berechtigt, von denverschiedenen Farben möglichst viele Abtönungen zu machen. Die grosse Zahl dergebrochenen Töne kommt uns bei der Anfertigung von Renaissance-Fenstern und vonmodernen Profan-Fenstern sehr zu Statten.
’) Die Alten fertigten dieses Glas auch.zu dem Zweck an, eine dritte Farbezu erzielen, z. B. blau und gelb, um grün zu erhalten.
‘) Interessante Mittheilungen machen Carl Geylings Erben in der März-Nummer1891 des „Diamant“ Uber altes Ueberfangglas, wonach sie alte Glasstiicke gefundenhaben, bei welchen durch verschiedenartige Schichten im Glase (bzw. gelben Ueber-fang auf weissem und auf farbigem Glase) schöne Farbentöne erzielt wurden. Ver-fasser hat eigene Erfahrungen hierüber noch nicht gemacht.
3 ) liier sei ein neues Verfahren erwähnt, bei welchem durch Benutzung ver-schiedener Ueberfangplatten und durch Wegätzen des Ueberfanges die „störende Blei-fassung“ wegfallen soll. Dass dies Verfahren bei Monument-Glasmalereien kein Fort-schri tt ist, werden Sie nach der Besprechung des Bleies selbst beurtheilen können.
KJ