Druckschrift 
1 (1899) Fürsten und Magnaten, Edle und Ritter
Entstehung
Seite
302
Einzelbild herunterladen
 

302

Deutsche Privatbriefe des Mittelalters.

Eur gcsnnthcit und wvlgcu iver ich von Herzen erfrait. Herzliebcn bruter,nachdem cur baider lieb am ncstcny enr rct bei mir gehabt hat, nemlich Hans;vvn Eid und Hanns; Truckns,^) meins; hantels^) halben, und ich yn ans dasmal kmi antbart Hab kunnen geben, die urssach, ich unbedacht bin gewesen, unddach auf die manag,ch das ich cur auch auch selbst gcren het gehabt ruid meinsach selbst zcc erzclen. Den, lieben bruter, mit so vil tviszeit leutcn zu reten,ist yn meiner vornnnft nit, mich anderst yn aler rct zu halten und auß-zusprechcn, als mir den wvl not wer. Aber wen cur aner zu mir wer turnenaber") nach so dcinmntig ch wer, zu nur noch kein, het ich doch hofnng, irncmt mein anveltig red ym besten mcf, des mir snst billeicht nit geschcch. Darum,hcrzlieben bruter, bit ich euch, mir solch nit yn arg aufncmen, wcns bnrtvaryn der mangng geschechen ist und nit anderst. Und bit euch darauf als; meinherzlicb bruter, so ich euch iz mein andbart sreib und die warheit ist und nitanders, yn wolz ym besten ausnemcn und, ab ich wider euch Hab gedan, mirS

durch goz wilen vorgebcn und eur nngcttad vvn mir zu ncmcn. Ten wen

ein dinck tiit zu wentcn ist, so sol man das best darzn keren. Das bit icheuch baid durch goz wil, ir tvolz an mir auch dvn und eur zvrn von niirwcnten. Ich bekens, ich Hab ym gelobt, und ist nit weniger: wil ich meinersei ein genug don, so muß ich ym halten. Darum, herzlieben pruter, ir sechtWal, das ein vorgencklich dinck ans erden ist und dort ebig?) Solt ich denmein sel yn solch ferlichkcit sezen? Beser tver, ich der nie geboren! Darum,hcrzlieben pruter, ich bit euch durch goz wil und unßer lieben franen und durchdes jüngster gerich wilen und durch eur selbst sel seligkeit wilen, ir wolt eursyn tiit so gar auf das zeitlich sezen, snnter das ebig auch zu bedenken und

Walt eur wilen auch darzn geben und mich aus; eurm ungenaden zu ncmen.

Den cs je gesechen") ist und kan nit wider gebeut") werten. Wen man michgeleich darum tötet, so kunt ich ym doch nit dan, ich inech leiten, das nit tver.To aber je ist und je nit anders kan gesein, so bit ich und beger genad voneuch baiden. Ich het tiit gemant, das so hart wider euch tver gewest, so kanich ym je nün nit gedan. Herzlieben bruter, gct yn eur aigen Herz undgedenk, wolt ir mich mein lebtag yn der gcfcncknus laßen sein und mir dasmein vurzuhaltcn, ab nit wider cur sel hal^y ist und got ein große rechnnngdarum must dan, das irs an eur aigen swester ein svlck übel tut. Hcrzliebenbruter, gedenck, ivie iz so ein genierlich plag nmget, das die leut so jechlichsterbn schir yn alen lauten! Ten heut aber") morchcn kumz yn eure laut auch.To ist niemant sicher, wider arm noch reich, etei aber uneder, fitrst aber kaßcr,

*) kürzlich. Truchseß? Barbara, die weder Witwe noch Frau war (s. oben dir. 348), hattewegen ihrer Dispensation in Rom selbst Schritte gethan, wurde aber darauf von ihren Brüdern ge-fangen gehalten und nach der Plassenburg gebracht. Inzwischen hatte sie dem Ritter Conrad von Heydeckdie Ehe gelobt, der am 11. September 1493 den Markgrafen eine schriftliche Werbung um ihre Schwestersaudtc, trotzdem er ihrer fürstlichen Gnaden „genoss" nicht sei. Die Brüder sahen die behauptete Ver-lobung als „eiir leeres erdicht", dem Hanse Brandenburg zur Schmach, an und suchten auf Barbaraeinzuwirken. Darauf erfolgte der vorstehende Brief. Meinung. "') einen. ") oder. herablassend.8) dort ewig. ") geschehen. ^ gewendet. ") Heil.