Einleitung.
IX
oder amtlichen Interesse geschrieben oder empfangen sind, ausgeschlossen, z. B.Empfehlungen und Kredenzen für Diener eines Fürsten.
Dagegen sind Private Stellen ans sonst politischen Briefen ausgenommen,ebenso wie andererseits alles Politische aus den hier veröffentlichten Privat-briefen sortgelassen ist.
Auch unter den nach meinen Gesichtspunkten in Betracht kommendenPrivatbriefen gab es nun einige, bereit wörtliche Ausnahme nicht unbedenklicherschien. Es sind dies namentlich die zahlreichen Briese über Geschenkevon Fürsten an Fürsten, die Bitten um Pferde, Hunde und Falken. Ichhabe mich in dieser Beziehung für die Ausnahme entschieden. Allerdingshabe ich sie häufig mir in Regestenform gebracht; aber ich bin darinnicht zu weit gegangen. Man muß bedenken, daß man hier durch einegewisse Vollständigkeit des Materials — alles konnte ich natürlich ausallen Verstecken nicht zusammenbringen — einen wirklichen Einblick in dieprivate Interessensphäre der damaligen Fürsten erhält. Was einmal derspätere Kurfürst Johann von Brandenburg sagt, nachdem sein Vater seinemDrängen, in die große Welt zu kommen, nicht nachgegeben hatte, er müssenun ein Jäger bleiben als zuvor, das waren die meisten Fürsten in derThat. Und auch bei so hervorragenden Männern, wie Albrecht Achilles oderKönig Maximilian, steht in erster Linie die Jagd, weiter dann das Turnier.
Wem also diese Dinge hier zuviel erscheinen, der muß sich eben mitder damaligen Zeit anseinandersetzen. Aber daneben leuchtet uns aus denvorliegenden Briefen doch noch etwas anderes entgegen, eben die Art derMenschen selbst. Die übergroße Derbheit z. B. des Kurfürsten Albrecht Achillesvon Brandenburg ist ja schon früher durch andere Publikationen bekanntgeworden. Hier erscheint sie vielfach in noch bedenklicherem Lichte. Sie zurück-zudrängen, wäre aber ganz falsch gewesen. Die obscvnen Verse — Albrechterscheint in dem vorliegenden Band mehrfach als Dichter — auf S. 130 f.sind ja nicht zur Lektüre in höheren Töchterschulen bestimmt. Viele un-schöne Seiten der damaligen Fürsten ferner, wie sie z. B. v. Bezold scharfhervorgehvbeu hat, ihre Liederlichkeit und Roheit, ihre rücksichtslose Habgieru. s. w. treteic uns oft entgegen, weiter allzu häufig ein unglücklicher,durch Eigennutz und Berechnung hervorgerufener Familienzwist. Ebensoaber auch andere Seiten, und diese insbesondere bei Frauen. Wer wirddie reizenden Fwenndschaftsbriefe der Grete von der Mark an die Gräfinvon Cleve ohne Teilnahme lesen können, wer wird sich nicht an dem derben,aber innigen Briefwechsel zwischen Anna und Albrecht von Branden-burg erfreuen, wer bei den Klagebriescn der Amalie von Veldenz oder derunglücklichen Barbara von Brandenburg nicht Rührung empfinden? Undwie bezeichnend sind die herzig-naiven Frauenbriefe, wie die der Elisabethvon Mecklenburg (Nr. 373) oder der Margarete vvn Wolkenstein, oder dietiefsrommen mütterlichen Briefe der Herzogin Sidonie vvn Sachsen! Und wie-