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6 (1823)
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sehen eines Zahnarztes oder Charlatans gegeben hätten. 2n Hin-sicht auf Toilette machte man noch die Bemerkung, daß Bern«,doltc große Sorgfalt, und Lannes sehr viel Zelt darauf verwen-det habe. Der Kaiser war sehr verwundert, dieses von beiden zuhören. Er drückte hierbei, weil ihn jene Erwähnung ganz natürlichdarauf brachte, abermals sein großes Bedauern über den Verlustdes Marschall Lannes auö.Der arme Lannes, sagte er, hatte dieNacht vor der Schlacht in Wien zugebracht, und nicht allein.Er kam zum Gefechte, ohne etwas gegessen zu haben, und schlugsich den ganzen Tag. Der Arzt sagte, daß dieses dreifache Zusam-mentreffen von verschiedenen Umständen seinen Tod veranlaßt habe.Er hätte viele Kräfte zu Heilung seiner Wunde bedurft, und mankonnte die nicht ersetzen, welche er kurz vorher verloren hatte.

Man sagt gewöhnlich, es gebe Wunden, denen der Tod vor-,»ziehen sey. 2ch versichere Sie aber, daß deren wohl wenigesind. Steht man im Begriff, das Leben zu verlieren, so hält maneS nach allen Kräften fest. LanneS, der bravste Mann von derWelt, Lannes, der beide Beine eingebüßt hatte, wollte doch nichtsterben, und erzürnte sich so sehr, daß er mir sagte, man sollte diebeiden Chirurgen hängen, die einen Marschall so schlecht behandelthatten. Er hatte nämlich gehört, daß jene beiden Chirurgen heim-lich mit einander geredet, und weil sie nicht glaubten, daß er eSvernehmen könne, gesagt hatten, cs sey unmöglich, daß er davon käme.

Aller Augenblicke verlangte der unglückliche Lannes den Kaiserzu sprechen. Er klammerte sich mit dem ganzen Reste seines Lebensan mich an, wollte nur mich, dachte nur an mich. Es war eineArt von Instinkt. Gewiß liebte er seine Frau und seine Kindermehr als mich; doch sprach er nicht von ihnen; ohne Zweifel weiler nichts von diesen erwarten konnte; ihr Beschützer war erselbst, ich dagegen der seinige in diesem Augenblicke seinAlles, das Höchste, die Vorsehung, welche er anrlef!"

Es bemerkte hierbei jemand von uns, daß man in den Salonsganz das Gegencheil gesagt, und das Gerücht verbreitet hätte,Lannes sey sterbend in Wuth gerathen, und habe dem Kaiser, ge-gen den er im höchsten Grade erbittert gewesen sey, geflucht. Manfügte hinzu, er habe niemals große Zuneigung für ihn gefühlt, undihm dies oft mit vieler Keckheit zu erkennen gegeben.Welche Al-beruhest! erwiederte der Kaiser, Lannes betete mich an. Er warzuverlässig der Mensch, auf den ich In der ganzen Welt am sicher-sten rechnen konnte. ES ist wahr, daß er bei seinem heftigen We-sen wohl im Stande gewesen wäre, einige Worte gegen mich fallenzu lassen, er war aber auch der Mann, welcher jedem den Kopsspalten konnte, von dem er etwas der Art gehöre hätte."

L.CascS Taget,. ü.Bd. 10 '