Druckschrift 
6 (1823)
Entstehung
Seite
121
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unglückliche Fürstin habe nicht einmal 24 Stunden lang die Süßig-keit der sonstigen Flitterwochen gekostet, die so bedeutungsvoll vonken Engländern der Honigmond genannt werden. Schon amzweiten Tage begann Neckerei, Vernachlässigung, Geringschätzung.

„Alle cdeldenkende, alle gesittete Menschen in England nahmenTheil an ihrem Schicksale. Sie erhoben ein laureS Geschrei. Dergrsßte Haß siel aber, das ist nicht z» leugnen, dabei auf Lady

H.; man beschuldigte sic, daß sie den Prinzen behext habe,

sie wurde aller Welc zum Abscheu, und der Prinz hatte nicht ein-mal die Entschuldigung für sich, daß er verblendet sey; den» manbehauptete einst, nach einem recht lustigen Gelage sey einer vonden fröhlichen Gesellen auf den Einfall gekommen, zu sagen: erkenne die Frau von Merteuil aus unserm Romane, dcnLiaisonödangereuses, und da viele der Anwesenden eingestimmt hätten, siekennten auch eine, habe der Prinz toller Weife den Vorschlag gc-khan, jeder soll die seinige heimlich aufschrciben. Alle Zeddel wa-ren dann in eine Vase geworfen worden, und man habe sodann

eben so viele Ladys 3.herausgenommen, als Tischgenossen

gewesen wären. Der Prinz selbst, der dieses Glcichstimmen nichterwartet und nicht geglaubt hätte, daß er erkannt werden würde,habe, so sagt man, denselben Namen ausgeschrieben!!! —

„Ich habe die Lady 3.gekannt, und muß bekennen, daß

ihr Gesicht und ihr ganzes Wesen so wenig ihrem Alter entsprach,daß cs schwer wurde, dasselbe zu errathen. Sie besaß alle Reizeder ersten 3ugenL, sie verstand dieselben durch die Grazie des fein-sten Benehmens noch zu erhöhen, und ich muß sagar sagen, daßes ihr in den Zirkeln, wo ich sie gesehen habe, gelang, ein gewissesWohlwollen für sich zu erregen; sey cs nun, daß die Sitten derGesellschaft, wo ich sie fand, zur Nachsicht geneigter machten, oderdaß sie wirklich nicht alle die Verwünschungen verdiente, womitman im gemeinen Leben über sie hersicl.

Eine Eigenschaft des Prinzen von Wallis, womit er vor allenandern begabt worden ist, scheint das gewesen zu seyn, was dieEngländer die Gabe des VerblendenS nennen. Er ist damitim reichsten Maaße ausgestattet. Man könnte sagen, daß nichts alssein bloßer Wille dazu gehöre, die Masse wieder zu gewinnen, undin gewisser Art die allgemeine Meinung zu bestechen: er unterwirftsich dieselbe bei dem ersten Schritte, den er hierzu thut. SeinLeben ist voll von dergleichen Verlieren und Wiedererwerben derVolksgunst, und vielleicht ist es die Gewißheit dieses glücklichenGeheimnisses, die ihn bewogen hat, so oft, als man es ihm vorwirst, der öffentlichen Meinung zu trotzen. Seine Feinde habengesagt, daß er cS mit dieser Gattung von Much bis zum Herojs-