Druckschrift 
6 (1823)
Entstehung
Seite
15
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Allein wir dürfen ja mir die Bedingung hlnzufügen, daß er fähigseyn müsse, sein Amt zu verrichten,c."

Als es schon Nacht wurde, lies mich der Kaiser noch in seinAmmer rufen. Er war allein im Dunkeln bei einem kleinen

Feuer. Die Lichter standen in dem anstoßenden Zimmer. DieseFlnsterniß stimme, sagte er, zu seiner Melancholie. Er war stillund traurig.

Nach dem Diner las er wieder Im Grammont, konnte es abernicht forlsetzen.

Wir gingen nun die Mittel durch, welche In Paris dazu die>nen, die Zeit zu vertreiben. Wir sprachen von den gesellschaftli-chen Sitten nach älterem und neuerm Tone. Der Kaiser wieder-holte, daß er oft darüber nachgedacht habe, ihnen eine andereGestalt zu geben. Er hatte Cercles an seinem Hofe, Schauspiele,Reisen nach Fontainebleau. Das Alles genirce die Hofleute, sagteer, ohne auf die gesellschaftlichen Kreise der Hauptstadt einzuwirken.Es war unter diesen heterogenen Theilen noch nicht genug Zusam-menhang, um daß eine Rückwirkung des einen auf die andern möglichgewesen wäre. Man bemerkte, er habe viel dazu beigetragen, dieAbendunterhaltungen in der Hauptstadt abzukürzen. Alle, die anden Regierungsgeschäften Theil nahmen, arbeiteten viel, und da siefrüh aufstehen mußten, so waren sie auch genöchigt, sich zeitigschlafen zu legen.

„Uebrigens, sagte der Kaiser, gab es ein großes Erstaunen inParis, eine wahre Revolution in den Sitten, es war fast ein Auf«rühr in der Gesellschaft zu nennen, als der erste Consul verlangte,daß man, um in Gesellschaft zu kommen, die Stiefel ablegen, inSchuhen und Strümpfen erscheinen, und sich überhaupt anständi«ger kleiden solle.

Der Kaiser kam oft auf das zurück, was den guten Ton unddie angenehmen gesellschaftlichen Sitten unsrer 2ugend ausmacht.Er verweilte insbesondere bei der Bestimmung dessen, wodurchnähere Bekanntschaften annehmlicher werden, nämlich durch leichtenAnstrich gegenseitiger Schmeichelei, oder wenigstens durch einen mitFeinheit und Zartsinn verbundenen Widerspruch w.

Donnerstags den 6. Zunl.

Ich sah den Kaiser erst um 6 Uhr. Er war den ganzen Tagüber in seinem Zimmer geblieben, befand sich unwohl und hattenoch nichts zu sich genommen. Er sey nickt in seiner Ordnung,sagte er, und blätterte dabei Kupferstiche von London durch, dieihm der Doktor geliehen hatte. Letzterer hatte die Ehre gehabt.