^ einer Nation, die keinen Thcil an den KricgSübeln nimmt, ohneAushörcn würgen? Sie, mein Herr General cn Chef! stehen durchIhre Geburt dem Throne nahe und sind über die kleinlichen Lei-denschaften erhaben, welche oft die Minister und die Regierungenbeherrschen. Sind Sie nicht entschlossen, sich den Namen eines'Dohlthätcrs der ganzen Menschheit, des wahren Retters von Deutsch-land zu erwerben? — Glauben Sic nicht, mein Herr General enChef, daß ich hiermit sagen wollte, Sic konnten eS nicht gleicher-maßen mit Gewalt der Waffen retten; aber selbst bei der Voraus-setzung, daß der Kriegswechscl Ihnen günstig wäre, würde dochTeutschland nickt weniger verwüstet werden. Was mich betrifft,mein Herr General en Chef! so würde ich, wenn die Eröffnung,die ich hiermit Ihnen gethan habe, auch nur Einem Menschen dasLeben erhielte, stolzer auf die Bürgerkrone scyn, die ich dadurchverdient zu haben glaubte, als auf den traurigen Ruhm, den manbei dem Soldatenglück erringen kann.
Ich bicce Sie rc.
Unterzeichnet: Bonaparte.
Dieser Brief beruhigte einigermaßen die Gemüchcr zu Wienund man fieng wieder an zu hoffen. Der Marquis von Gallo,
^ Ambassadeur von Neapel, wurde sogleich an den französischen Ge-neral geschickt; da er aber keine Vollmacht hatte, mußte er nacheiner zweistündigen Konferenz wieder umkehren. Am folgendenTage kamen die Generale Mcerfcld und Bellcgarde ins französischeHauptquartier und erlangten, auf ihr Ehrenwort, daß Bevollmäch-tigte von Wien aus ankämen, um über den definitiven Frieden zur unterhandeln, einen Waffenstillstand, der der französischen Armeenicht nur das Land, das sie schon besetzt hielt, sondern auch nochandre Landesstriche überlics, die zu Bildung ihrer Linie erforderlichwaren. Die östreichischcn Generale vermochten kaum zu begreifen,wie der französische General, in dieser schönen Stellung, einenWaffenstillstand bewilligen konnte. Sie erklärten es sich nur auSder Unthäeigkeit der französischen Heere am Rhein.
Inzwischen fühlte Napoleon die Gewalt der Umstände sehrschmerzlich. Er beklagte in seinem Innern, daß ein fehlerhafterPlan oder eine eitle Eifersucht ihn um die Ungeheuern Vortheilebrachte, welche er zu erreichen im Begriff stand. Wenn ihm auchwenig daran gelegen gewesen war, nach Nom zu gehen, sowünschte er den Einzug in Wien desto leidenschaftlicher und gleich-wohl konnte in diesem Augenblicke nur jene Erklärung des Direk-toriums ihn daran verhindern.