Druckschrift 
5 (1823)
Entstehung
Seite
111
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zählten unter sich auch eine große Zahl reicher, berühmter undmächtiger Familien, die nun als Unterthanen aller -Obergewalt be-raubt, ohne Berücksichtigung blieben und auf den souocraincn Adelvon Venedig höchst eifersüchtig waren.

Die Adlichen des Festlands stammten großencheils von den vorma-ligen Eondotticri, den sonstigen Podesta's und andern Personen ab,die in den Republiken ihrer Städte eine große Rolle gespielt hatten,und deren Vorfahren, nachdem sie sich den Unternehmungen Venedigslange Zeit widersetzt, endlich Opfer der Politik jenes Staats gewordenwaren. So verbanden sich mit der Eifersucht und dem Hasse, denihnen die Beschaffenheit ihres Gouvernements einflößen mußte, auchnoch geschichtliche, sorgfältig sortgepflanztc Einwirkungen. Die Pro-vinzen des Festlands waren also alle unzufrieden und bezeugten sehrgeringe Anhänglichkeit an ihr Gouvernement. Der größteTheildes Volks machte mit dem Adel des Festlands gemeinschaftliche Sache,ein kleinerer Th eil jedoch schloß sich an die edlen Venetianeran, welche Eigenthum und Etablissements in fast allen Provinzen be-saßen. Die Priester wurden in der Republik nicht geachtet und hattenkeinen Einfluß, denn sie hat sich sehr zeitig von allem Einfluß desPapstes befreit.

Das Oberhaupt des österreichischen Hauses, welches Mailandund Mantua in Vcalien und einen Theil von Zstrien am atlantischenMeere besaß, stand in verschiedener Beziehung mit Venedig inVerhältnissen, und dieses, das stetö von ihm zu fürchten hatte, hattesich doch durch das Gleichgewicht Europa'ö und besonders durch denSchutz Frankreichs immer gegen ihn zu halten gewußt.

Um von Tirol aus durch die Lombardei nach Mantua zu kommen,muß man von Rivoli bis Mantua etwa zwei Tagereisen lang über dasvenetianische Gebiet. Verträge hatten Oesterreich eine Milicairstraßedort zugesichert; aber die Truppen mußten ohne Waffen und in klei-nen Abcheilungen marschiren. Keine andre Militairstraßc war von derEtsch bis zum Vsonzo durch dieses Land bewilligt. In den vorherge-henden Kriegen war Oestreich genöthigt gewesen, die Bedürfnisse fürseine Armee zu Meere von Trieft bis in den Po bringen zu lassen,weil die Landfuhren das Friaul und die Staaten des Festlands nur aufder Straße von Tivoli nach Mantua durchschneiden konnten. Diesgab unter Ludwig Xkv. zu dem Kreuzzug dcS Ritters Forbin Veran-lassung , der auf dem Meere die Sendungen von Triest nach dem Poivegnahm.

Als sich die erste Coalition gegen Frankreich bildete, veranlaßtenjene Mächte Venedig, daran Antheil zu nehmen. Es scheint nicht,als hätten sich damals in dem Rathe ernsthafte Streitigkeiten darübererhoben. Alle waren derselben Meinung. Sie fanden sich so weit