Druckschrift 
5 (1823)
Entstehung
Seite
92
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Freitags, den si. Mai.

Uni 5 Ubr begab ich mich zu dem Kaiser in den Garten.Wir waren alle dort versammelt. Er sprach von politische» Ge,genständcn und malte die traurige Lage Englands mitten in seinenTriumphen, den Abgrund seiner Schuld, die Thorhcic, die Noch«Wendigkeit und doch die Unmöglichkeit, eine Kontinentalmacht wenden zu können, die Gefahren seiner Konstitution, die großen Aei- .lcgenhciccn seiner Minister, die gereckten Beschwerden aller. E»z-land wende auf seine 160 biü 200 Tausend Mann eben so großeAnstrengungen, als er, der Kaiser, jemals zur Zeit seiengroßen Macht gcthan habe, und vielleicht noch mehr. Nie HMer mehr als 500000 Mann französische Truppen auf dem Kriegs,fuße gehabt. Jetzt giengen die Schritte aller Machte des Komi- ^ucnts in den Fußtapfen seines Kontinentalsystcms weiter, und diess.werde noch mehr geschehen, je ruhiger sie sich darin feilschte».

Er nahm keinen Anstand, zu behaupten, und bewies cs, daß oh»,erachtet der jetzigen Ereignisse England dabei, wen» cs dem Trak-tat von Amiens treu geblieben wäre, gewonnen haben würde, daßganz Europa Vorthcil gehabt und nur er, Napoleon, und sei» 'Ruhm verloren hatten. Und doch scy es England und nicht ergewesen, der ihn gebrochen.

. Für England gab cs nur noch Ein System, fuhr er fort, das,ans seine Konstitution sich zu beschranken, das Militairsystem auf,zugebcn, sich nur durch seinen Einfluß auf dem Meere, auf ml«chem es jetzt allein herrschte, in die Angelegenheiten des Konti-nents zu mischen. Bei jeder andern Maasregcl konnte inan ihmgroßes Unglück Voraussagen, und cs nahm unvermeidlich eine an-dere, weil seine ganze Aristokratie cs so begehrte, und die Narr-heit, der Stolz oder die Käuflichkeit seines gegenwärtigen Mini-sten! cs dahin brachte, auf dem jetzt Ungeschlagenen Wege zu be-harren.

Als die Unterhaltung beendet, zog sich der Kaiser in seinKabinet zurück und ich mußte ihm folgen. Er sprach mit mirvon einem Briefe, der an mich mit der gewöhnlichen Post a»SEngland gesendet worden sey, und den der Gouverneur zurückbe-halcen habe, weil er nicht offiziell an ihn ^gerichtet gewesen.Eben dies erzählte man auch von einem Briese für den Groß- -marschall. Der Kaiser bemerkte, daß, wenn dem so sey,'in demVerfahren des Gouverneurs etwas Grausames und Unmenschliches ^liege, indem er diese Briefe zurückgcsendet habe, ohne unS ein Wortdavon zu sagen, ohne uns den Trost wenigstens zn geben, zu wis-sen von wem sic wären. Aus dieser Insel kann ein Mangel in