Druckschrift 
5 (1823)
Entstehung
Seite
68
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ntchtö «ersiger «IS glücklich, aber mit der Zeit verschwanden gr>wisse vorgefaßte Meinungen, die Vermählten näherten sich eiran-der, und bedauerten seitdem nichts, als das Glück, dessen sie sichsrüherhin auf diese Art beraubten.

Bei dem Kongreß in Erfurt war die Prinzessin von Baden vomKaiser Alexander, Ihrem Schwager, sehr ausgezeichnet wordeii.Er bezeugte ihr die feinste Aufmerksamkeit. Man wußte dies, undum eS zu hintrrtreiben, suchten die Herrn, welche die geheimePolitik bearbeitet, weil sie bet unfern Unfällen im Zahre 1813 eineZusammenkunft Alexanders mit der Erbprinzessin von Baden zuMannheim fürchteten, bei Zeiten durch lügenhafte Nachrichten undselbst erfundene Geschichtchen, welche den Monarchen von ihr ent.sernten, deren Einfluß zu untergraben. Auch ward allerdings, ol-der Kaiser Alexander auf seinem Triumphzuge nach Paris durchMannheim ging, die Prinzessin Stephanie nicht eben artig behan-delt. 3m Innern Gemüthe mochte sie dies wohl kränken, aber sirbehielt ihr volles Ehrgefühl, und jetzt zeigte sich ihr Gemahl mitwahrer Charaktergröße. Von allen Seiten drangen die höchstenPersonen auf ihn immerwährend ein, sich von seiner Gemahlin, dieer aus Napoleons Hand erhalten habe, zu trennen, aber er wei-gerte sich standhaft, und antwortete mit edlem Stolze, daß er nieeine Niedrigkeit begehen werde, die eben so sehr mit seiner Liebe,alS seiner Ehre streite. Seitdem unterlag dieser treffliche Fürst,dem wir in Paris nicht Gerechtigkeit genug wiedersahrcn ließe»,einer langen uud schmerzhaften Krankheit, und die Prinzessin weihteihm biö zu seinem letzten Lebenshauche mit eigner Hand die rüh-rendste, sich bis aufs kleinste erstreckende Sorgfalt, wodurch sie sichdie regste Zuneigung ihrer Verwandten wie ihres Volks erwarb.

Sie hat die Ausübung der Souverainität verschönert, ihremCharakter als Gattin und Tochter Ehre gebracht, und jederzeit diehöchste Verehrung und den lebhaftesten Dank für den gezeigt, der,während er selbst auf dem Gipfel einer unbeschränkten Macht stand,sie huldvoll als Tochter angenommen hatte.

Donnerstags am 23. Mai.

Der Kaiser ließ mich gegen 2 Uhr auf sein Zimmer kommen.Er sagte, ich sähe krank aus. Er war es selbst. Er hatte schlechtgeschlafen. Darauf zog er sich an, versichernd, daß ihn daö wie-der Herstellen werde. Dir gingen nun in den Garccn. Die Unter-haltung führte ihn auf den Satz, daß unsre Sitten vorschrieben,.der Souverain solle sich nur stets als Wohlthäter zeigen, Hand- ^lungen der Strenge müßten durch andere ausgcübr werden, diesem !aber nur als seine Hauprdomaine die Gnade übrig bleiben. 3» !