Druckschrift 
10 (1824)
Entstehung
Seite
119
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' wählen. Er vertraute sich der letztem, und diese ergriff mit ihrerpoetischen Phantasie begierig einen Entschluß, der über Coppec einen! höchst romantischen G'an; verbreiten konnte. Der Prinz wurde nachBerlin zurückberufen; dies änderte aber nichts in seinen Gesinnun«gen, er verfolgte sein Lieblingsprojekt mit dem nämlichen Eifer.

- Aber war es nun katholisches Vorurtheil gegen die Ehescheidung,

, oder natürlicher Edelmuth, Madame Rccamier entsagte dieser uner-f warteten Erhebung mit der größten Standhaftigkeit.

Diesem Verhältnisse verdankt man übrigens das Gemälde der, Corinna, welches für eine der originelsten Schöpfungen von GerardSf Pinsel gilt. Es wurde ihm von dem Prinzen übertragen; er wolltedamit derjenigen huldkgcn, welche sein Her; so tief gerührt hatte.

Weil ich nun aber einmal wieder von Frau von Stadl gespro«chen habe, so muß ich noch erzählen, daß die Herausgabe dererstem Bände Veranlassung für mich geworden ist, den Besuchl mehrerer, ihr sehr ergebener Personen zu erhalten. Ihre vertraute«

^ sten Freunde versicherten mich hierbei, daß man ihr Ausdrücke gegen

Napoleon in den Mund gelegt habe, von denen sie durchaus nichtswisse, besonders den des Robespierre zu Pferde könnten sie! in ihre Seele mit der grüßten Gewissenhaftigkeit abläugnen. Viel«

i mehr habe sich Frau von Stadl in der Gesellschaft ungleich günsti«

i ger gestimmt gezeigt, als es ihre Schriften, die in Folge ihrer

Empfindlichkeit und ihres Verdrusses allerdings immer spottendwaren, zu vcrrathen schienen. Eine dieser Personen sagte mir, essey ihr ein wahrer Genuß gewesen, in dem Tagebuche zu lesen,

! daß Napoleon auf Sc. Helena die Fra» von Stadl zu gleicher Zeit

^ mit Armide und, Clorinde verglichen habe, weil Frau von Stairl

einst, als sie noch voll Enthusiasmus für ihn gewesen, den jungenl Feldherrn der italienischen Armee ebenfalls zugleich einen Scipio

und einen Tancred genannt und gesagt hätte, daß er die einfaches Tugend des Einen mit den glänzenden Thaten des Andern verbinde.

Nach dem Diner lies der Kaiser Racine, seinen Liebling, her«zuholen, und laS uns die schönsten Stellen aus Iphigenie, Mithr!«daces und Bajazet. „Racine, sagte er, als er endigte, har anund für sich zwei Meisterwerke geliefert, aber sie sind durch eineunaufhörliche Fadheit, sein ewiges Liebeln, seinen süßlichen Tonund seinen prachtvollen Aufwand- von Nebendingen entstellt. DieS, ist aber ein Fehler, den man nicht so eigentlich ihm zur Last legenmuß, als vielmehr den Sitten der damaligen Zeit. Die Liebe warin jenen Tagen und später noch für jeden das einzige Geschäft desganzen Lebens. DaS Ist nun einmal das Loos einer müßigen Ge«scilschaft. Wir sind unsrer Seits etwas unsanft durch die Revolu«tion mit ihrem mächtigen Treiben herauögerissen worden." Unter«