Die Prinzessin Lamballe vereinte bei sich in dieser Stadt eineMenge von Trünnnern des Hvflcbens aus Versailles, die altenHöflinge und die ehemaligen Modcmenschen. Aber auch viele be-rühmte Fremde/ sanken sich bei ihr ein. Ich habe den König vonSchweden, Gustav den llt, unter dem Namen eines Grafen vonHaga, den Prinzen Ferdinand von Preußen mit seinen Kindern,von denen der älteste Sohn, Prinz Louis, kurz vor der Schlachtbei Jena siel, die Herzogin von Cumberland, Wittwe eines Bru-ders des Königs von England u s- w. oft daselbst gesehen.
Als nun Ludwig der XVl. bei der förmlichen An-nahme der Constitution, ' sei» Haus von Neuem ordnete,erhielt die Prinzessin einen offiziellen Brief von der Kö-nigin, mit dem Befehle, ihr Amt als Obersthofmcisterin wiederzu übernehmen- Die Fürstin befragte ihre alten Näthe, um derenMeinung und alle glaubten daß da die Königin noch nicht freiund die Gefahr in Paris noch sehr groß sei, man sich noch ent-fernt halten und daß sie daher den Brief der Königin als nichtMigckommeu betrachten müsse. Die Prinzessin hatte jedoch auchanderwärts ungefragt, was man davon denke? und unglücklicher-weise folgende Antwort erhalten. „Sie haben, Madame! dieglücklichen Lage der Königin mit ihr getheilt; es würde wohlschön seyn, wenn sic besonders jetzt, da Sie nicht mehr ihre Favo-rite sind, ihr doch Treue beweisen wollten." Die Prinzessin hatteein sehr edles Herz, sie liebte mit zartem Sinne und ihr Kopfwar zu romantischen Unternehmungen geneigt. Sie erklärte daherTags darauf, daß sie »ach Paris abreise. Die unglückliche Fürstinging also mit voller Kenntniß der Gefahr in die Hauptstadt zu-rück und siel als ein Opfer ihrer Großmuth und der edelsten Ge-sinnungen. Meine Eltern hatten mich ihr angeboten und ich be-fand mich kurze Zeit in ihrem Gefolge! Bei dem Alter, worin ichsiand und der kurzen Zeit, die ich erst in Paris gewesen war,Hätte ich vielleicht ganz unbekannt in ihrer Nähe bleiben und ihrvielleicht von Nutzen seyn können. Allein di? Prinzessin sah dabeiin deni Augenblicke ibrer Abreise, so mancherlei Hindernisse undbefahl mir darauf zu verzichten. Doch blieb ich ihr Berichtserstat-ter und schrieb ihr an jedem zweiten Lage in der besten Absichtvon der Welt, alle die Geschichten und lächerlichen Fabeln, womitman uns täuschte und die wir alle recht gutwillig für baare Münzeriahmcn. Ich schrieb ihr, daß wir nun ins Feld gerückt wärenund setzte mein Schreiben noch immer fort, als sie schon nichtmehr war! — Mit dem unbeschreiblichen Schmerze, den ich übershr gräßliches Loos empfand, verband sich einige Zcitlang die geheime