Druckschrift 
9 (1824)
Entstehung
Seite
135
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Sin i» großer Gunst stehende Person, die ich späterhin zu Rastadtsehr, schlecht behandelt habe, entweder auf erhaltenen Befehl, odernm ihre Gefahren zu theileu, zu dieser Fürstin — und wirklich,fügte er hinzu, in dergleichen gräßlichen Momenten ist der Rathund der Trost von treuergebnen Dienern ein wahres Bedürfnis! —Als nun der unglückliche Augenblick erschien, wo das Schloß mitGewalt erstürmt würde, rettete sich die Königin in die Aimmerdes Königs, ihr Vertrauter aber kam in die größte Gefahr undentkam nur noch dadurch, daß er zum Fenster hinaussprang "

Ich erzählte dem Kaiser, daß die Königin durch das unglück-liche Ereigniß zu Varennes in den Augen der Emigranten sehrverloren habe. Man warf ihr vor, sie habe den König nichtallein reisen lassen wollen und als sie mit ihm unterwegs gewesen,Len Reiseplan nicht auf eine geschickte und kräftige Weise ausge-führt. Man kann sich wirklich von der Unordnung dieser Reiseund den Fehlern, welche dabei begangen worden sind, keinen Be-griff machen. Ein Umstand, der wohl nicht zu den mindest son-derbaren und grotesken gehören dürfte, verdient hier bemerkt znwerden, daß nämlich Leonard, jener berühmte Coiffeur der Kö-nigin, welcher sich mit im Gefolge befand und das Glück hatte bebdem Jusammenlaufe mit seinem Cabriolet durchzukommen, als erin Coblenz bei uns eintraf, den Marschalls-Staab mitbrachte, dender König aus den Tuilerien mitgenommen hatte, um ihn demHerrn von Bouill« zu bchändigen, sobald er ihn erreichen wurde.

„Uibrigens ist es — so bemerkte der Kaiser zum Schluffe —bei dem Hause Oesterreich als feste Mariine angenommen, überdie Königin von Frankreich ein tiefes Schweigen zu beobachten.So wie Marie Antoinette nur genannt wird, schlägt man die Au-gen nieder und sucht offenbar das Gespräch auf etwas anders zrfleiten, um über einen so unangenehmen und in Verlegenheit se-tzenden Gegenstand schnell hinwcgzukommen. Das ist eine in derganzen Familie bestehende Regel, die auch den auswärtigen Ge-sandten zur Richtschnur dient. Die Bemühungen der französischenPrinzen, nun von ihr neuerdings zu Paris reden zu lassen, möch-ten also wohl in Wien keinen großen Beifall finden."

Der Kaiser kam jetzt auf die Prinzessin Lamballe von der erkeine Idee hatte. Ich konnte ihn befriedigen, denn ich habe siesehr genau gekannt. Eine Cousine meines Namens war Hofdamebei ihr und als ich zn Anfänge meiner Emigration in Aachenankam, wurde ich von ihr ausgenommen, als ob ich zu ih-rem Hause gehöre, und mit dem größten Wohlwollen von ihrbehandelt.