Druckschrift 
9 (1824)
Entstehung
Seite
110
Einzelbild herunterladen
 

IIS --

zur Zerstreuung sich an die Arbeit setzen und nahm das Kapitel vonLeoben vor, das ihm eben unter die Hände kam.

Als cs gelesen war, dauerte die Unterhaltung noch über dieConserenzen fort, welche den Tractat von Campo Formio zur Folgehatten. Ich beziehe mich auf jene Kapitel hinsichtlich der Character- .Schilderung des ersten osterreichen Ncgociatcurs, Herrn vonCobentzel, dcu Napoleon damals den nordischen Bar nann-te, wegen der großen Rolle die seine große schwerfällige Hand da-mals auf dem grünen Teppiche der Unterhandlungen spielte.

„Der Herr von Cobentzel, sagte der Kaiser, war zu jener Zeitder Mann der österreichischen Monarchie, die Seele ihrer Entwür- rfe, der Handhaber ihrer Diplomasie. Cr war zu den ersten Am- >

dassadcn in Europa gebraucht worden, laug am Hofe Catharinensgewesen und hatte deren besondere Gunst sich eigen zu machen ge-wußt. Stolz auf fernen Rang und seine Wichtigkeit, zweifelte ernicht einen Augenblick, daß die Würde seiner Haltung und seineUcbung in höfischer Sitte sehr leicht mit einem Generale fertigwerden müsse, der aus den Revolutionslagern hcrkomme. Demgemäß nahete er sich denn auch dem französischen Generale mit ei-mer gewissen vornehmen Nachlässigkeit — Doch schon die Stellung,welche der letztere beobachtete und die ersten Worte desselben wa-ren hinreichend, um ihn zurecht zu weisen und ihn seine Schran-ken nie wieder übertreten zu lassen. > ^

Die Conserenzen gingen nun sehr langsam vorwärts. Herr vonCobentzel zeigte sich sehr geschickt die Sachen in die Länge zu zie- then. Inzwischen beschloß aber der französische General sie zu En-de zu bringen. Die Conferenz, welche, wie gesagt worden war, .

die letzte seyn sollte, fiel sehr lebhaft aus. ES kam so weit, daßdie Frage auf ein Entweder? Oder — gestellt wurde und die Ant-wort siel verneinend aus. Jetzt stand er in einer Art von Wuthvon seinem Stuhle auf und rief mit starker Stimme: „Sie wolle» ^ ,,also den Krieg? nun wohl! sie sollen ihn haben" ergriff hierbei einprächtiges Kaffeebret von Porzellain, was Herr von Cobentzel,wie er oft schon wohlgefällig erwähnte, von der großen Cathariue !zum Geschenk erhalten hatte, warf es ans den Boden, daß es in !tausend Stücken umherflog und sagte: „Sehen Sie! so soll es, ehedrei Monate um sind, mit Ihrer österreichischen Monarchie aus-sehcn, das verspreche ich Ihnen." Und mit diesen Worten eilte ,

er schnell aus dem Saale. Herr von Cobentzel blieb ganz versteinert, ?aber Herr von Gallo, sein Beistand, der viel verträglicher war, rbegleiltete den französische General bis an den Wagen, versuchte ^ihn zurückzuhalten und warf mir, sagte der Kaiser, noch tausend