542 Buch Vl. Drittes Hauptstück.
sen helfen — das wäre zu großes Unrecht gewesen. Wenner sich das so ruhig überlegte, sah er noch ausserdem, wie ge-fährlich es sein würde. Mit den 29,000 Mann, zu denensich die hannoverischen Verbündeten insgesammt zu ihrer Ver-theidigung verpflichtet hatten, ließ sich doch, wie schon gesagt,nichts ausrichtcn. Ein bloßer Vertheidigungskrieg hätte seineüberall offenen Länder zunächst und am härtesten getroffen.Ein Angriffskrieg hatte auch seine Schwierigkeiten; dem Bei-stände der Verbündeten mistrauete er; der Erfolg war unsicher,die Gefahr für seine lieben blauen Kinder, für seinen nichtweniger geliebten Schatz gewiß.
Dann hatte er auch auch noch Besorgnisse wegen Ruß-lands und Polens. Hier war eine große Erbitterung gegenihn, weil er sich der Protestanten in Thorn so nachdrücklichangenommen hatte *), und wie er mit der Kaiserin Katharinastehen würde, war noch nicht durchaus gewiß, umsomehr, alsdiese sich rüstete, Dänemark anzugreifen, um ihrem Schwie-gersöhne Entschädigung zu verschaffen, worauf eine englischeFlotte in die Ostsee gegangen war, es zu schützen, weshalb sichRußland auf des Kaisers Seite neigte. Unter allen Umstän-den setzte von allen Verbündeten Preussen sich der größten Ge-fahr aus und zwar für unsichere Aussichten, eigentlich fürfremde Interessen.
Den Ausschlag aber gab dennock das Verhältniß FriedrichWilhelms I. zu Georg I. Er hatte nie Zuneigung zu seinemSchwiegervater, dessen stolzes, hofmeisterndes Benehmen ernur sehr ungern ertrug. Nun hatte er gehofft, der Königvon England werde nach dem Abschlüsse des Vertrags dieVerabredungen wegen der Doppelheirath ihrer Kinder erfüllen,allein dieser zog das fortwährend hin^). Daher gereuete esFriedrich Wilhelm bald, das Bündniß eingegangen zu sein.Grumbkow that, was er vermochte, das ohnehin leicht zu er-regende Mistrauen des Königs zu wecken und dessen regesEhrgefühl zu reizen. Er war bei weitem weniger mächtig, alsseine beiden Verbündeten, um so mehr machte er auf völlige
1) Nontgon IVl^inoirss 1. ll. p. 406.
L) Seckendorf an Eugen bei Förster Urkundend. II. S. 78.