Hannoverischer Bund.
539
gesammt 29,000 Mann Hülfstruppen nichts ausrichten lasse unddaß seine offenen Länder dem ersten Angriffe ausgesttzt seinwürden. Er meinte daher, wenn man den Kaiser über denHaufen werfen wolle, müsse man ihn unmittelbar angreifen,er wolle 40 bis 50,000 Mann stellen, Schlesien nehmen und70,000 Franzosen und englische Truppen sollten ihn durch einenAngriff auf Brabant und am Rheine unterstützen ^). Frank-reich wollte sich darauf nicht einlassen und es wurde darübernichts abgeschlossen.
Der nunmehrige Schwiegervater Ludwigs XV., Stanis-laus Lcscinski, traf schon Einleitungen, um den polnischen Thronwieder zu besteigen. Er schickte seinen Vertrauten, den Gra-fen von Rottenburg, nach Berlin mit der Nachricht, er sei imBegriffe seine Erbgüter gegen das Herzogthum Kurland zuvertauschen, was er dem Könige von Preussen für Neufchatelanbot, welches er für den Herzog von Bourbon wünschte,dem er es verdankte, daß seine Tochter Königin von Frankreichgeworden war. Friedrich Wilhelm war nicht ganz abgeneigt,wünschte aber eine naher gelegene Provinz als Kurland, näm-lich das noch übrige schwedische Pommern. Die bald folgen-den Verwickelungen machten, daß diese Entwürfe scheiterten^).Noch ehe ein Monat verflossen war, hatte man bereits inWien den Zutritt Friedrich Wilhelms I. zum hannöverischenBunde erfahren und gleich die ganze Gefahr für Oesterreichbegriffen, wenn Preussen vereint mit England und Frankreichund mehreren Reichsfürsten den Kaiser angreisen sollte, wieman befürchtete. Es wurde daher Alles aufgeboten, umFriedrich Wilhelm vom hannöverischen Bunde abzuziehen, weildieser den kaiserlichen Erblandern am gefährlichsten werden undman ihn zu gewinnen noch am ersten hoffen konnte. Dazu
1) So war wohl die allgemeine Verabredung für den äußerstenFall, wie der König es an Seckendorf erzählte. .S. dessen Schreibenan Eugen v. 22. Jan. 1727 in Försters. Urkundend. III. S. 344. Bergl.Villars Nsinvires 3?. III. x. 239 U. IV. p. 47.
2) I-ämonts^ 1. II. S. 235 u. 203.
3) Nämlich 29. Sept. schrieb es Eugen an Seckendorf in FörstersUrkundend. II. S. 50.
Nov.
1725