Druckschrift 
3 (1841) Von 1688 bis 1739
Entstehung
Seite
505
Einzelbild herunterladen
 

Morgenstern in Frankfurt.

505

^ Pereat allen Feinden des Königs und dem Astralikus (Spott-1 namc des Hofnarren und Vicepräsidenten der Akademie, Gra-ben zum Stein)!"

Am Dienstage musste Morgenstern seine Disputation:„Vernünftige Gedanken von der Narrheit und den Narren" ver-theidigen; den Professoren wurde durch die Pedelle befohlen,zu erscheinen und zu opponiren. Morgenstern, der das Er-1 niedrigende der Rolle, welche er spielen musste, sehr wohl( empfand, das aber nicht merken lassen durfte, musste auf demKatheder in einem gestickten blausammtenen Kleide mit sehrj großen rothen Aufschlagen und rother Weste erscheinen, die:j Silberstickereien an den Knopflöchern, den Taschen, den Bein-^ kleidern und den Zwickeln der Strümpfe bestanden aus lauterHasen. Eine große Perücke bedeckte den Kopf und den! ganzen Rücken; statt des Degens hatte er einen Fuchs-schwanz an der Seite und auf dem Hute statt der Federn Ha-senhaare.

, Der König kam frühzeitig in das Auditorium und ließ

i die noch fehlenden Professoren, auch den berühmten Johanni Jakob Moser, geheimen Rath, Director der Universität undOrdinarius der Juristenfacultat durch einen Unter-, dann, als^ er nicht gleich kam, durch einen Oberofsicier holen. Er grüßte! dann Moser, und beschwerte sich, daß noch weiter Niemand

! anwesend sei, obgleich er die Zeit zur Disputation gar nicht

! bestimmt hatte. Er wartete nun noch und sagte zu den um-

stehenden Ofsicieren: Morgenstern wäre klüger als alle Profes-soren, dann zu Moser, mit dem er sich unterhalten hatte: wennman einen Hasen haben will, muß man ihn von den Uni-versitäten holen. Gundling sei gelehrt gewesen, allein mit Mor-genstern nicht zu vergleichen. Ein Quentchen Mutterwitz isti besser als ein Zentner Universitätsweisheit! Weil Moser nicht> gern opponiren wollte, so sagte der König: „Ja das ist auch

! ein solcher Heuchler wie der Schinmeier (ein Prediger in Stet-

! tin, welcher einige Tage vorher bei ihm in Ungnade gefallen

! war). Was ist's denn? Jeder Mensch hat seinen Narren, ich

I habe den Soldatennarren; einer (er deutete auf Moser) hatden geistlichen Hochmuthsnarren, ein anderer einen anderen.