492 Buch VI. Zweites Hauptstück.
zuerst sein Großvater, der große Kurfürst, unter den Evange-lischen einzunehmen bemühet war, die auch sein Vater Fried-rich I. behauptete, seinerseits durchaus nicht aufgab, vielmehrdie angegebene Richtung festhielt, sich überall der Evangelischenanzunehmen und wo irgend möglich an ihre Spitze zu treten,eine Richtung, welche in Verbindung mit dem nach allen Sei-ten fortentwickelten Vorwartsstreben den Charakter des preussi-schen Königthums bezeichnet. Es war das aber bei allen die-sen preussischen Fürsten nicht allein Sache der Staatsklugheit,sondern eben so sehr und vorzüglich bei Friedrich Wilhelm I.noch viel mehr Gewissenssache. Damit verbunden war derauch diesem Könige bei aller sonstigen Strenge ja Harte gegenJeden, den er für faul, lüderlich oder schlecht hielt, dennochbeiwohnende milde Sinn gegen wirklich Arme und Gebrechliche,vorzüglich gegen verwaiste Kinder. Friedrich Wilhelm ließ da-her das von seinem Vater gestiftete Friedrichshospital ausbauenund ansehnlich vergrößern'), auch das Spinnhaus vor demspandauer Thore erweitern und zur Aufnahme kranker, gebrech-licher armer und hülsloser Personen aus der Bürgerschaft ein-richten. Aus diesem errichtete er dann (1727) die sogenannteCharite, in welcher gleich im ersten Jahre gegen 300 Krankeverpflegt wurden. Diese wohlthatige Anstalt vergrößerte ernoch sehr, schenkte ihr (1733) 100,000 Thaler und überwiesihr bedeutende Nebcneinkünfte. Auch durch ansehnliche Ver-mächtnisse stieg das Vermögen der Charite sehr'). Auch denArmenfonds vermehrte er ansehnlich ^), und wollte überhaupt,daß das gesammte Armenwesen ordentlich eingerichtet würde').Er übertrug es daher endlich (1739) dem Minister v. Brandtund dem geheimen Rath v. Reichenbach und erkannte es sehran, als diese Männer sich bereit erklärten, diese schwierigen
1) Faßmann I. S. 555. König I. S. 40. Mila, Beschr.von Berlin S. 242.
2) Faßmann I. S. 555. König I. S. 119 u. 155. Nicolai H.S. 631.
3) König I. S. 14.
4) Faßmann S. 554.