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328 Buch VI. Zweites Hauptstück.
Finanzen und des Heeres verdankt Preussen doch erst dem Kö-nige Friedrich Wilhelm I., am meisten der durch seines VatersVerschwendung und Schwache so sehr zerrütteten Finanzen,denn, was er in Beziehung auf sie geschaffen, das ist rechteigentlich, und so weit das für irgend einen König möglich,auch ausschließlich sein eigenes Werk. Er sah nicht blos ein,daß Ordnung und Sparsamkeit im Staatshaushalte unumgäng-lich nöthig sei, um die zur Erhaltung und Vermehrung desHeeres nöthigen Mittel zu schaffen, sondern er liebte auch dasGeld von früher Jugend aus. Seine Mutter fürchtete ja schon,er würde geizig werden. Er wurde es auch'). Ihm war dergefüllte Schatz nicht allein Mittel zum Zwecke, sondern auchselbst Zweck. Er sinnt daher unermüdlich darauf, nicht nurauf alle irgend denkbare Weise so viel Geld, als zur Unterhal-tung des Staats nöthig ist, herbeizuschaffen, sondern so vielals möglich baar nicderzulegcn und wo möglich nicht wiederauszugeben. Er versagt sich daher viele Genüsse °) und fodertdas auch von Anderen. Die Einfachheit seiner gesammten Le-bensweise sagt nicht nur übrigens seiner Natur zu, sonderner will dabei auch sparen ^). Darin ist er ganz unbarmherzig.Wir haben gesehen, wie schonungslos er Gehalte und Pensio-nen herabsetzte und strich. Mit den Jahren wurde er nochkarger — gegen sich und seine Familie, wie gegen seine Mi-nister, gegen Jedermann. Geld darf man von ihm nicht ver-langen, wenn er gut gelaunt bleiben soll, desto besser ist derungeschrieben, der mehr abliefert, als er erwartet. Dadurcherwirbt man sicher seine Gunst. Als er seine Bedienung, Hof-staat kann man es nicht nennen, einrichtete, behielt er ausser
1) Der Belege dafür sind zu viele, als daß sich das leugnen lieffe,was auch einige zu nachsichtige Geschichtschreiber gcthan haben, es zu ver-hüllen. Vergl. weiter unten die Darstellung der Finanzverwaltung.
2) Friedrich II. in den ülsmolres äs Lrsnllendourg p. 22s.
Z) Bald nach seinem Regierungsantritte befahl er den Kammcrcolle-gien, kein weißes, feines, sondern ordinaires Conceptpapier zu Ausferti-gungen zu gebrauchen. Der Quark ist nicht das schöne Papier werth,sollen schlecht Papier nehmen, das ist mir gut genug. Benekendorfvnr. S. so.