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Buch VI. Erstes Hauptstück.
19. April1716
sehr unzufrieden über Menschikoff, daß er Stettin den Prcus-sen und Holsteinern übergeben; er hatte von seinen Russen sogern Wismar besetzen lassen, man glaubte, um es zu behalten;jetzt hatte er ein Auge auf Mecklenburg. Mit großem, dochnur zu gerechtem Argwohne wurden bald alle Schritte des rast-los unternehmenden Mannes beobachtet. Der Herzog KarlLeopold von Mecklenburg war, wie früher sein Bruder Fried-rich Wilhelm über die Ausdehnung seiner fürstlichen Rechte imheftigen Streite mit seinen Landstanden. Hannover unterstütztediese, der Herzog wendete sich an den Zaar, vermahlte sich mitdessen Bruders Tochter und erhielt zu seiner Unterstützung20,000 Russen, welche, vermöge einer mit dem Könige vonDänemark getroffenen Verabredung, im Vereine mit den Da-nen und unterstützt von einer englischen Flotte in Schonenlanden und dieses für Dänemark erobern sollten. Die Russenwurden in Mecklenburg auf die Güter der Landstände verlegtund hausetcn hier willkürlich. Doch die Stände ließen sichvon ihrem Rechte nichts abdringen. Gern hätte der ZaarMecklenburg an sich genommen und den Herzog anderweitigentschädigt, allein weder Dänemark noch Hannover wollten denMoskowiter zum Nachbar, der Kaiser ihn nicht zum Reichs-fürsten *). Der verständige Friedrich Wilhelm war ungeachtetaller äußerlich freundlichen Bezeugung schwerlich für eine Ver-änderung, welche seinen Rechten auf Mecklenburg und demInteresse Preußens so sehr entgegenstand; überdies würde auchihm der Zaar ein unbequemer Nachbar gewesen sein. Hatteer die erste günstige Gelegenheit ergriffen, um sein Reich durchden Besitz des für ihn so wichtigen Stettins und der Odermün-dungen zu erweitern, so suchte er sich das so Erworbene nun aufjede Weise zu sichern. Dann, als der Kurfürst Johann Wilhelmvon Pfalz-Neuburg (8. Juni 1716) gestorben war und ihm seinBruder Karl Philipp, der letzte Neuburger, ohne männliche Erbenfolgte, dachte Friedrich Wilhelm wohl daran, Jülich und Bergzu erwerben, was seine Vorfahren an Pfalz-Neuburg aufgege-ben hatten, ein Gedanke, der ihn in seinem ganzen Leben nicht
1) Hojer I. S. 311 ff. Der Kaiser hatte auch den Zaar nichtzum deutschen Reichsfürsten haben wollen, was dieser für Livland zu wer-den angetragen, weil das ehedem zum Reiche gehört.