Spannung zwischen Preussen u. Schweden. 265
Familienverbindung zwischen Schweden und Hessen könne kei-nen Anstoß erregen, da man ja in Stettin Truppen des ebenso nahe verwandten Hauses Holstein ausgenommen. Ln Sach-sen könne Karl mit und ohne Stettins Besitz einfallcn, doch habeer nicht die Absicht, hoffe auch, der König von Preussen werdedie Vertrage, die dessen Vater mit Schweden geschlossen, under (Friedrich Wilhelm) bestätigt, eben so genau wie dieser hal-ten. Alles das war vergeblich. Preussen bestand vorzüglichdaraus, Karl solle sich verpflichten, ausser Sachsen auch Polennicht anzugreifen, worauf dieser nicht einging, weil ihm dasrechtmäßig gar nicht verwehrt werden konnte'). Er rüstetefortwährend, so viel er vermochte. Die in ihrem Handel durchschwedische Kreuzer beeinträchtigten Seemächte schickten eine Flottein die Ostsee. Friedrich Wilhelm hielt die in Deutschland fürKarl geworbenen Rekruten an, verweigerte auch, wie Georg!.,den aus der Türkei in ihr Vaterland zurückkehrcnden Schwe-den den Weg durch seine Staaten^). Er ließ ein Magazinfür 15,000 Mann in Stettin anlegen und verstärkte unter der Februar-Hand die Besatzung der Feste dermaßen, daß alle Häuser aus-ser denen der Geistlichen mit seinen Truppen belegt waren.
Der Administrator beschwerte sich vergeblich darüber als ver-tragswidrig. Friedrich Wilhelm erwiedcrte, auch Holstein halteden Vertrag nicht, er müsse Maßregeln ergreifen, das nicht zuverlieren, was ihm der Vertrag sicheres. Ein unfruchtbarerBriefwechsel zwischen Preussen und dem Administrator, vollgegenseitiger Vorwürfe'), folgte ohne weitere Wirkung.
Mit dem Anbruche der milden Witterung ließ Karl XII.durch den General Dücker dem General Borck, Commandan-ten von Stettin anzeigen, er wolle bei Wolgast ein Lager auf-
1) NoräbsrA III. x. 179. Ideatr. Durop. v. I. 1715. S. 301
und vorzüglich IX. x. L66. -Man muß damit den etwas
späteren Briefwechsel Croissy's mit Ilgen vergleichen bei I>nmbsrt^ IX.p. 278.
2) llmatr. Lurop. v. I. 1715 x. 317. ^
3) Ebendas, x. 309 ff.
4) Nachrichten vom nord. Kriege, Forts. 2. S. 409 u. Forts. 3.S. 298.