Regierungsantritt. Ersparungen. 237
bedienten und der Pensionen und Gnadengehalte, welche meh-rere Offiziere und andere Beamtete insgesammt zum Betragevon 276,000 Thalcrn erhalten hatten, daß diese auf 55,000Thaler herabgesetzt, also über vier Fünfthcile erspart wurden').
Das letzte Zeichen des Glanzes und der Pracht, welchesan die Regierung Friedrichs I. erinnerte, war das Leichenbe-gangniß, welches Friedrich Wilhelm, seinen Vater zu ehren,mit großem Aufwands veranstaltete. Allein schon die Anwe-senheit der ungewöhnlich starken Anzahl von 9600 MannTruppen, welche dabei verwendet wurden, gab dem Aeussernder Feierlichkeit einen neuen Charakter ^). Dann wurden vieleHofbeamtete, der Oberceremonienmeister, die zahlreichen Kam-mer-Herren, -Junker, -Diener und -Pagen, die 24 Hoftrom-peter, deren jeder monatlich 30 Thaler bezog, die 2 Hofpau-ker,' die 100 Schweizer, viele Lakaien, Küchen-, Kellcr-und Stallbediente, Haiducken und Läufer, wie die meistenKünstler und Gelehrten, entlassen oder ihre Pensionen undGehalte gestrichen und das kostbare Regiment klarüe äu llorxsaufgelöst^). Dem einzigen noch lebenden Bischöfe, Ursinus,den der König nicht leiden konnte, weil er sehr gesucht undhochtrabend sprach und ihn als Prinzen den brandenburgischenJedidja zu nennen pflegte, wurde seine bedeutende Besoldungsehr gekürzt. Auf seine deshalb an den König gerichtete Vor-stellung erhielt er mit Anspielung auf die Worte: „als vorZeiten", mit welchen er alle seine Predigten anzufangen pflegte,abschlägige Antwort, welche spöttischer Weise mit eben denWorten: „als vor Zeiten" begann^). Die Wittwe des JudenLipmann, welche man beschuldigte, den freien Zutritt, der ihr
1) S- diese Aktenstücke vom 14. März u. 1. April 171Z in der schätz-baren Sammlung Rödenbecks (Beiträge zu den LebensbeschreibungenFriedrich Wilhelms I. u. s. w.) Th. I. S. S9.
L) Die ausführliche Beschreibung bei Faß mann I. S. 42—85 undGütther S. 452—473.
3) Natzmers Leben S. 352.
4) Herings biographische Nachrichten, 2. Stück S. 14. Königin der historischen Schilderung Berlins, Thl. IV, 1, S. 10 sagt abermit Unrecht: der Bischof verschwand.