204
Buch V. Zweites Hauptstück.
Rathen bestand, vor der sich alle Juden mit ihren alten Ge-lcitsbriefcn stellen sollten, um nicht allein neue zu lösen, sondern ^auch 20,000 Thaler sür die erneuerte landesherrliche Gnadezu zahlen. In der Mark befanden sich damals 132 Judcn-samilien ausser einigen wenigen in kleineren Städten. DieStadt Frankfurt a. d. O-, wo sich die meisten Juden auf- 7hielten (43), wahrend in Berlin weniger (nur 31) waren,gab dem Kurfürsten sechzehn weitläufige Gründe an zurUnterstützung ihrer Bitte: sie von diesen Blutegeln zu be-freien und darob zu sein, daß die- Stadt von diesem Unge-ziefer möchte gereinigt werden, doch ohne Erfolg. Es wurde(27. Scpt. 1689) den Juden in allen Ländern abermals be-fohlen, für die Erneuerung ihrer Privilegien und Judenpatentedie Summe von 16,000 Thalern, und nochmals im I. 169020,000 Thaler zu entrichten. Dennoch vermehrte sich ihreZahl bei der milden Begegnung, welche sie in den branden-burgischen Landern verhältnißmäßig gegen andere Staaten er-fuhren, fortwährend. Im I. 1690 waren in der Neumark116 Familien. Im Fürstcnthumc Halberstadt erhielten im j
I. 1691, 75 Familien Schutzbriefe, im I. 1706 befanden /
sich hier 98 Familien in 98 eigenen Häusern; in den Marken "
im I. 1700 470 Familien, von diesen fast die Hälfte (230)in der Neumark; in Pommern 52, im Herzogthum Cleve 81,in der Grafschaft Mark 62, in Preuffen nur wenige. ImI. 1697 wurde ihnen im Halberstädtischen, im I. 1699 in ^allen Provinzen des Staats verboten, ferner noch liegendeGründe zu erwerben. Auf dem platten Lande durften sie nie- !mals wohnen. ^
Bielen Einfluß auf die Begünstigungen der Juden hatteder Hofjuwelier Joel Liebmann, der dem Kurfürsten und dannKönige vorzüglich Juwelen lieferte, sowie nach dessen Tode(1705) seine Frau, welche unangemeldet zum Könige gehendurfte. Schon im I. 1697 hatte Friedrich die Anlegung einer fSynagoge in Berlin gestattet, wo bisher der jüdische Gottes-dienst nur in Privathäuscrn geübt werden durfte. Darüberwaren unter den Juden selbst viele Streitigkeiten ausgebrochen.
Erst im I. 1712 wurde der Bau einer allgemeinen Synagogenach vielen von den beiden Parteien der Juden in Berlin