mit dem Kurfürsten mehrere eigenhändige Briefe und es istsehr wahrscheinlich, daß seine Vorstellungen und sein Ordens-cinfluß auf den in Religionsangelegenheitcn sehr beschranktenKaiser manche in dieser Rücksicht den Wünschen des Kurfür-sten entgcgenstchende Hindernisse beseitigten. Immer höherstieg mit der steigenden Verlegenheit des Kaisers die HoffnungWolfs, das !Ziel zu erreichen und in seinen letzten Briefentitulirte er den Kurfürsten schon: Durchlauchtiger Kurfürst,Gnädiger Herr: beinahe König! ') Dennoch gab höchstwahrscheinlich erst die Nachricht von dem am 1. November in l. Nov.Madrid erfolgten Lode Karls II. und dem von ihm hinter- 1700lassencn Testamente, in welchem er Philipp von Anjou, denEnkel Ludwigs XIV., zum Erben aller von ihm hinterlassenenStaaten und Länder einsetzte, den Ausschlag zu Gunsten derKronangelcgcnheit Friedrichs III. Am 16. November wurde 16. Nov.der geheime Kronvertrag zwischen Friedrich III. und dem Kaiserabgeschlossen. In diesem erneuerte der Kurfürst zuvörderst dasgeheime Bündniß seines Vaters mit dem Kaiser (vom 22.
März 1686) und versprach, nicht nur wirkliche Leistung desdarin.zugesagtcn Beistandes, sondern auch vertrauliches Zusam-menhalten und so viel als möglich gemeinschaftliche Maßregelnauf Reichs- und Kreistagen; ferner zur Behauptung der Fe-stungen Philippsburg und Kehl nicht nur beim Reiche zu ar-beiten, sondern eine Compagnie Fußvolks auf eigene Kostenals Besatzung zu geben und zu unterhalten, die Erledigungder hannöverischcn Kursache zu befördern, gegen seine katholi-schen Unterthanen wegen Bedrückung der Protestanten in an-deren Ländern keine Repressalien anzuwenden, wogegen derKaiser versprach, sich zu bemühen, daß die evangelischen Rcli-gionsbeschwerdcn den Reichsgesetzen gemäß erörtert und beige-
1) S. Pater Wolf, von Nicolai, in der neuen Berliner Monatsschriftv, 1.1799, LH. 2, S. 821 aus den Kronacten. Bergl. Dok na p. 272 ,dem der König selbst das Misverständniß erzählte. Was ich über Wolfabweichend und ergänzend sage, verdanke ich zuverlässigen Mittheilungen.
Man hat, wie aus der obigen Zusammenstellung hcrvorgeht, die Wich-tigkeit dieses Zufalls sehr übertrieben. Wolf nahm übrigens auch späterkein Geschenk an und handelte persönlich durchaus uneigennützig. Beicht-vater des Kaisers war er nicht.