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Buch V. Zweites Hauptstück.
raden, Kampfe von Waren, Büffeln, Auerochsen, wildenSchweinen, Wölfen und Füchsen im Hetzgarten, große Feuer-werke, Illuminationen, Lustfahrten nach Oranienburg, Schön-hausen, Rosenthal und Charlottenburg und mancherlei Auf-führungen und Darstellungen, Operetten und Concerte, bei denendie Götter Griechenlands und Roms nach damaliger Sitteeine Hauptrolle spielten. Sicher wurde an manchem könig-lichen Hofe keine solche Pracht, kein solcher Aufwand entfaltet,als am kurfürstlichen Hofe Friedrichs HI.
Unterdessen arbeitete Bartholdy als brandenburgischer Ge-sandter in Wien mit großem Eifer daran, seines Herrn Wün-sche verwirklicht zu sehen, fand aber fast unübersteigliche Hin-dernisse. Es wird erzählt, er habe den Auftrag erhalten,einem der einflußreichsten ihm entgegenwirkenden kaiserlichenMinister, der für habsüchtig galt, 200,000 Gulden anzubie-ten, der treue Beamtete habe jedoch das Geschenk abgelehntund erwiedert, er halte den Kurfürsten gewiß der Krone wür-dig und dem Kaiser zugethan, da man aber nicht vonallen Nachkommen einer gleichen Gesinnung versichert sei, soglaube er einen Verrath an dem Kaiser zu begehen, wenn erdessen Zustimmung erwirke. So stand die Angelegenheit ohneweiter vorzurücken und der Kurfürst war fast ohne Hoffnung,das Ziel seiner heißesten Wünsche zu erreichen, als die euro-päischen Staatsverhältniffe durch ihre ausserordentliche Ver-wickelung herbeiführten, was zu bewirken alle Feinheiten undübrigen großen Mittel der Unterhändler, selbst die Unterstützungder Jesuiten sicher nicht vermocht hätten.
Die deutschen Fürsten waren zwar immer noch merklichdurch Religionsparteiung, noch weit mehr aber dadurch ge-trennt und zugleich mit dem Reiche ohnmächtig, daß sie keinpatriotisches Gefühl beseelte, jeder nur an sich dachte und wieer auf jede Weise seine Macht vergrößern oder sein Ansehenerhöhen könne. Aus diesen persönlichen, dann aus verwandt-schaftlichen Verhältnissen entstanden unzählige Zwistigkeiten,Bündnisse und Gegenbündnisse und so unauflösliche Verwir-rungen, daß man kaum noch von der Schwäche des Reichsreden konnte, da es wirklich nur noch der Form nach vorhan-den war. Ausser vielen anderen Streitigkeiten regte damals