Die Königskrone. Ursachen. 87
zu dem neuen Gebäude gelegt worden. Der Sohn hatte dasganze Gefühl der Bedeutung seiner Stellung sein Ehrgeiz triebihn an, nicht hinter dem Vater zurückzubleiben. Um es diesemgleichthun zu können, mangelten ihm jedoch Kraft, Ausdauerund selbst jene freilich sehr zweideutigen Eigenschaften derMänner, welche in der Wahl der Mittel zur Erreichung ihresZwecks nicht schwanken, endlich begünstigten ihn die Staats-verhältnisse seiner Zeit nicht ganz so wie seinen Vater, erkonnte nicht wohl auf ansehnliche Ländererwerbungen wie dieserhoffen, obgleich er, wie wir gesehen haben und weiter findenwerden, diese nicht aus den Augen verlor. Konnte er alsoseinem Vater nicht im Wesentlichen als Staatsmann undKrieger gleichen, so schien cs dagegen möglich, ihn durch denGlanz einer erworbenen Krone wo nicht zu übertreffen, dochwenigstens zu überstrahlen. Der Gedanke war, wie gesagt,bereits früher geweckt worden, der Königstitel sagte Friedrichsgroßer Eitelkeit ausserordentlich zu, brachte ihn aber auch inBeziehung zur Republik Polen äußerlich in eine andere Stel-lung, als die eines Herzogs war, welche unmittelbar an dieehemalige nun um so weniger je wieder herzustellende Vasal-lenschaft erinnerte, erhob ihn über seine bisherigen Standes-genossen im Reiche und gab ihm als König, dem römischenKaiser und dem Reiche gegenüber, ein anderes Verhältnis»,weil sich häufig nicht unterscheiden ließ, was er als Kurfürstund was er als König gethan, vereinigte nun unter einemgemeinsamem Namen alle Erwerbungen des Hauses, alle Un-terthanen als Preußen, brach für ihn und seine Nachfolgergewissermaßen die Brücke für jeden möglichen Rückschritt abund trieb unablässig vorwärts *). Er schien zu seinen Nach-folgern zu sagen: „ich habe euch einen Titel erworben, macht
1) Der prcussische Gesandte Schmettau erwicdertc dem Kölner Capitel,als dieses die Herausgabe der von den Preußen eroberten Feste Rhcinbergverlangte: sein Herr bedürfe als König mehr Untcrthancn als früher.Hamb erV. p. 52. Daher meint Eugen in dem eben angeführtenSchreiben vom 10. Februar 1701, man müsse behutsam mit Friedrich 1.umgehen. Wer sich einmal die Vergrößerung seiner Staaten in den Kopfgesetzt habe, der könne cs mit seinen Nachbarn nie gut und aufrichtigmeinen-