scheS Unheil über daS Ganze war bald gefällt. Er flößt in einergewissen Entfernung ein Gefühl von Verehrung ein, zeigt aber beigrößerer Annäherung mehr Liebenswürdigkeit.
„ Oie Bildung seines Kopfes gehöre nicht zu den Ursprung«lich größern und charakteristischen Formen der Natur. Sie ist keinabsolutes, einziges, originelles Produkt, kein Wagniß, kein Saltomortale derselben, wie man dies zum Beispiel, wenn auch in ver-schiedenen Abstufungen, bei Newton, Locke, Montesquieu, Voltaire,Rousseau u. s. w. erkennt; aber das Ganze Hat etwas Einziges,das sich der moralischen Vollkommenheit nähert und völlig die ruhigeWeisheit und die vollendete Klugheit ausspricht, so wie jeder ein-zelne Zug das Seinige zu dem Ausdrucke der Rechtlichkeit, derGüte, des Wohlwollens, des Adels der Gesinnung beitragt.
„Necker sprach wenig, besonders zu Anfänge. So wichtig auchdieser Moment des Lebens für ihn war, so erschien er mir dochweder traurig, noch niedergeschlagen, noch zerstreut, noch im 2nnernzerrissen, noch unentschlossen oder furchtsam, und eben so wenig er-freut. Er war gestern seiner Gemahlin und der geliebten Tochterentgegen gegangen, hatte seine Zurückberufung von dem Könige undder Nationalversammlung erhalten, seine Antwort darauf niedergeschrie-ben und dennoch war an ihm keine innere Bewegung, kein Zeichender Geistesabwesenheit, kein Ermatten vom tiefen Nachdenken wahr-zunehmen. Er beobachtete den Ernst eines Weisen und zwar ohneZiererei, ohne sich ein Ansehen zu geben oder Effekt machen zuwollen.
„Ich bezeugte seiner Gattin, einer Frau von hohem Wuchsund sehr zarter Natur, meine Verwunderung über diese Ruhe ihresGemahls in einem so großen Momente. Die geistvolle Antwort,welche sie mir gab, siel mir auf »). „Er ist nicht so ruhig, er-wiederte sie, als er es Ihnen zu seyn scheint, denn sonst hätte ermehr gesprochen." — Wenn bas aber doch Ruhe ist, entgegneteich, wie heiter muß er nicht in gewöhnlichen Verhältnissen seyn!
„Seine Stimme ist ungemein sanft, so wie alles an ihm fried-lich, gesetzt, reif, männlich und frei von aller Pedanterie; man er-kennt bald seine Gewohnheit des Umgangs mit der großen Welt;der Staatsminister steht ihm auf der Stirn, alles giebt ihn kund anihm, doch ohne die geringste Prahlsucht. Hätte ich Neckern gese-hen, ohne ihn zu kennen, ich würde ihn für keinen bloßen Gelehr-ten gehalten haben und eben so für keinen Militair, für keinenKünstler, für keinen Negocianten; denn auch schon in diesem Stande
-) Die Naivctät des Erzähler», jene» großen Physiognomik»», istebenfall» bewundernswerih.