war er lm Vorgefühl seiner Seele Minister. Er scheint zu derLeitung der Finanzangelegenheicen gebildet und geboren zu seyn.Er hört mit der vollkommnen Ruhe eines Weisen, der alles prüft,nichts übereilt, sondern jede Sache ergründet. Alle seine Wortewaren abgewogen, ergossen sich aber leicht aus ihrer -Quelle; alleseine Blicke sind aufmerksam und doch bescheiden und deswegen alleAntworten treffend und edel, ohne irgend eine gesuchte Wendung;alle Aeußerungen reif und vollendet. Seine Stirn har etwas Zart-weiblicheS, sie hat keine Falten, keine Winkel, keine Runzeln; sietritt zurück wie alle Stirnen dieser Art "). 2n seinen Augenbrau-neo, welche weder dick, noch scharf gezeichnet sind, so wie in dersanften Vertiefung, der Farbe und dem Schnitte seiner Augen, liegtein unsäglicher Ausdruck der Weisheit mit Edelmuth gepaart unddes mit Heiterkeit vermischten Ernstes; und wenn ich darinnen nichtdaS blitzende Feuer des Genies finde, so erblicke ich dafür dieSpu-rcn eines über jeden irdischen Dorthell erhabenen, mit der unsicht-baren Welt vertrauten Geistes. Die Bruchstücke, welche wir vonfeinen erhabenen, religiösen Meinungen besitzen, scheinen aus diesenhimmlischen Regionen abzustammen. 2n seinem aufmerksamen, ein-schmeichelnden, nachdenkenden Blicke erkennt man das größte Unter-scheidungövermögen. Dieser Mann ist stärker durch seine Kombi-nations- Auffassungs- und Erforschungsgabe als durch Schöpfungs-kraft. Wenn er zuhörk, entgeht ihm nichts. Seine Gesichtsfarbeist bleich, gelb, charakteristisch genug, um das 2deal eines klugenKabinetSmannes zu bilden und eben so ausdrucksvoll für einen ganzeinfachen, ruhigen Kopf. Es scheint mir, als sei dieser Mann be-sonders dadurch groß und einzig *), daß er ganz durch sich selbstdas geworden ist, was er nur durch sich selbst werden konnte. 2chglaube, daß cs ihm unmöglich wäre, in seinem Wirkungskreise eineThorheit zu begehen.
„Er sprach kein Wort, weder von sich noch von seinen Ver-hältnissen, noch von Frankreich, weder von seinen Freunden, nochvon seinen Feinden. Seine geistreiche Gemahlin leitete gegen mei-nen Wunsch das Gespräch auf die Physiognomie. Alles was erhierüber äußerte, bewies, daß er zwar kein Anatom, kein Zeichnernach Regeln, aber wohl ein kompetenter Richter mit tiefer und voll-endeter Menschenkenntniß sei. Kurz, wenn ich jemals einen Kab!«vctsmann von ausgezeichneten Talenten gesehen habe, so ist cS die-
*1 Das soll wahrscheinlich heißen, daß alle Stirnen so beschaffen sind, dieder scintge» gleichen und etwas Aartwcibiichcs haben.
") Weiter oben sagt er von Nccker, das Ganze habe etwas Einzige-,Lavater ist in der That auch ganz einzig!
L. E.Tagcb. Nachtr.-.
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