Druckschrift 
Nachtr., 2 (1825)
Entstehung
Seite
138
Einzelbild herunterladen
 

ser Mensch, dem sein LooS auf gleich ehrende Weise, so viele -Freunde und Feinde gegeben hat. k

Der französischen Nation gereicht es zum Ruhme, mit dem !feinsten Takt die wahre Größe eines Mannes zu ermessen und sei-nen Werth zu schätzen; ihr, die jedes Vorurtheil der Geburt, jededem wahren Verdienst fremde, vorgefaßte Meinung verschmähend,diesem Manne ein unerhörtes Vertrauen schenkte und der Machtder Tugend sich hingebend, mit goldnen Buchstaben die Worte:

Es lebe der König, Necker und die Nation! auf ihre Kokarde

schrieb."

Und Lavater hat dies Alles bei einer einzigen Mahlzeit bemerkt!

Seine ausgezeichneten Talente, was er so ganz aus sich selbst ge-macht hat, seine Bestimmung zum Minister, die Macht seines Kom-binationsvermögens, seine Auffassungsgabe, seinen Scharfblick! Erhat gesehen, wie der Staatsminister ihm auf der Stirne stand!

Eine der merkwürdigsten Handlungen des Ncckerschen Ministe- 1

riums ist die Errichtung der Provinzialversammlungcn, die auf das !

Aeußerste gelobt und angesochten wurden, gleichwohl weder das einenoch das andere verdienten, wie man gleich sehen wird. Einer derVorgänger Neckers, Herr von Machault, wollte die eigentliche Na- 'tur der Auflagen ändern und keine Ausnahmen dabei statt findenlassen. Er veranlaßte zu diesem Zwecke einen Befehl, nach welchem ^eine Angabe des gesamten Vermögens und aller Einkünfte statt fin- '

den sollte, um beides zu besteuern. Das Geschrei, was er hier-durch erregte, war aber so groß, daß er aus dem Ministerium tre-ten mußte. Necker hatte die nämliche Absicht; er wollte vernünf-tiger Weise das Eigcnthum von den Verhältnissen des Eigenthü-mers trennen, um solches mit Abgaben zu belegen, ohne dabeiRücksicht auf den Einfluß, den Titel und den Rang des Eigenthü- ^mers zu nehmen.

Machault und Necker wollten bei ihren Plänen, elfterer die pri-vilegirten Landestheile den unprivilegirten gleichstcllen und letztererdenjenigen, welche keine Privilegien' hatten, dergleichen geben, wasaber auf keine andere Weise geschehen konnte, als daß die Wahl- Iländer eine Art von Ständen erhalten mußten. Er hoffte hierdurchunter allen Provinzen eine Art von Gleichheit hervorzubringen.

Dies konnte wohl statt finden in Hinsicht auf die Steuern, auf dieVerbindlichkeit der von jedermann zu leistenden Bezahlung dersel-ben, aber nie in Ansehung der Privilegien, wie Necker dies beab- !sichligte. Zedermann sieht wohl ein, welcher Unterschied der Mei-nungen, der Vorurtheile, der Begriffe unter den Mitgliedern derStände von Languedoc und der Bretagne im Vergleich mit denProvinzialversammlungen der Haute - Garonne und von Berti) war.