Druckschrift 
Nachtr., 2 (1825)
Entstehung
Seite
104
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Der ohne alles Recht und ohne alle Veranlassung unten»»»-mene Einfall in Schlesien, die Plünderung des Fürstbischofs vonLeyden, die Wegnahme von Prag vor beschehener Kriegserklärung,die Besetzung von Sachsen, die in Danzig verübten Plackereien,sind keineswegs Entschuldigungen für ähnliche Dinge, die in demLeben Napoleons verkommen möchten; aber er hatte keineswegsdie Münzen verfälscht, nicht willkührlich mit dem Eigenlhume ge«schaltet, nicht dem Gewerbfleiße durch Monopole geschadet und die-jenigen nicht vergessen, die ihm persönliche Dienste geleistet hatten.

Man darf aus diesen Bemerkungen nicht den Schluß ziehen,daß wir Friedrich und Napoleon einander gleich stellen wollen.Einige Aehnlichkeiten im Charakter, in ihrer Stellung, in ihren Mei-nungen sind hierzu nicht hinreichend. Wir hatten blos die Absicht,diese Aehnlichkeiten bemerkbar zu machen, zu zeigen, wie sonderbardiejenigen handeln, die den einen wegen der von ihm begangenenHandlungen verdammen, die sie an dem andern ruhmwürdig finden,obschon sich dabei Bewegungsgründe, Ursachen, Gegenstand, Absicht,Grundsatz gleich sind, und wollten endlich beweisen, wie sehr Fried-rich von Napoleon geschätzt wurde *).

Wir wollen jetzt einige Verhältnisse in nähere Erwägung ziehen,über welche man nicht einverstanden ist. Das Hauptsächlichste dürftehierbei seyn, daß er den Titel eines Kaisers dem Namen Konsulvorgezogen hat, rin Ehrgeiz, den man allgemein getadelt hat.

Es war ein großes Unternehmen, die Toga des Konsuls mitder Kaiserkrone zu vertauschen. Die Last, welche er zu tragen'hatte, wurde dadurch zehnmal schwerer. Es blieb das nämlicheVolk, die nämliche Regierung, das nämliche Heer und doch verän-derte sich alles mit dem Titel des Staatsoberhauptes, verändertesich durch die Beziehungen der ersten zu den zweiten, die nun nichtmehr dieselben waren. Er entfernte von sich, indem er den Ab-stand vergrößerte, welcher ihn von den ersten Klassen der Gesellschafttrennte.. Zudem warf er mitten in diesem Zwischenräume noch ei-

*) In dem Werke de- Doktor O'Meara findet man (Th. 2. S. 17)folgende Stelle: „Seit mehreren Tagen beschäftigte sich Napoleonmit Diktier» und dem Nicderschrcibcn von Bemerkungen über dieWerke dcS großen Friedrich. Er sagte mir, daß, wenn sein Manu,script fertig wäre, cs wahrscheinlich in mehren Bänden bestehe»und nichts als »ülitairische Bemerkungen und Betrachtungen, mitso viel nähern Unistäneen enthalten würde, als »bthig wären, umdie von ihm beleuchteten Operationen klar zu machen." DiesesWerk wird jetzt gedruckt.