97
gen den König von Preußen und Ihr Vorhaben, das was sie Ihmabtreten müssen, wieder zu nehmen, nicht länger zu verheimlichen.Allein Friedrich war nicht der Mann, der sich so leicht zuvorkom-men ließ und obschon die Art, wie er seine Verbündeten bei demFrieden von Breslau behandelt hatte, ihn vielleicht besorgt machenkonnte, Im Fall des Bedürfnisses keine Alliirte zu finden, so berech-nete er doch, daß das Interesse allem Andern vorgehe, und da eSFrankreich sehr darauf ankommen mußte, diesen Fürsten auf seinerSeite zu haben, so schloß es, unter Vermittlung Voltairc'S eine Al-lianz mit ihm ab. Friedrich nahm ohne Zweifel stillschweigend dieenglische Taktik an, ging demnach, ohne Marie Thcresie aufs Neueden Krieg zu erklären, an der Spitze von 60000 Mann auf Praglos und nahm diese Stadt nebst 12000 Oesterreichern. Bald nachdieser Heldenlhat starb Karl von Baiern, der furchtbarste Feind derKaiserin wegen seiner Rechte auf das Besitzthum ihres Vaters, undsein Nachfolger, der nicht so ehrgeizig war, machre Frieden mitMarien Thercsien. Sie trennte sodann noch mehrere deutsche Für-sten von der Koalition, so daß Friedrich sich bald auf seine eignenScreilkräfce beschränkt sah, da Frankreich ihm nichts Helsen konnte,und er hatte sonach Oesterreich, Rußland, Sachsen und Englandgegen sich. ES schien, uls verlange Rußland, daß er wieder Kur-fürst von Brandenburg werde, aber Friedrich hatte keine Lust, sichseine Krone nehmen zu lassen. Er studirte mit Eifer das Terrain,auf dem er sich schlagen wollte, nahm seine Stellung und erwarteteden Feind. Hier war es, wo er die Schlacht bei Hohensriedbcrg(den 4. Juni 1745) gewann, in welcher die -Ocsterreichcr eine völ-lige Niederlage erlitten. „Es war, sagt ein Kenner (Guibert),eine von den Schlachten, in welcher sich alles vor dem Genie beu-gen muß, die vom ersten Augenblicke an gewonnen sind und wobeinichts den Erfolg streitig machen kann, weil der bestürzte Feindnicht im Stande ist, die Ordnung unter seinen Truppen wieder hcr-zustellen."
Nach dieser Schlacht schrieb er an Ludwig den Fünfzehnten diebekannten Worte: „Ich habe den Wechsel bezahlt, den Ew. Maje-stät zu Fontenay auf mich gezogen haben."
Dieses Sieges ungeachtet waren seine Feinde so zahlreich, daßFriedrich seine Truppen nicht in die Winterquartiere schicken konnte.Mitten in dieser rauhen Jahreszeit überfallt ihn der Prinz vdnLothringen an der Spitze von 50000 Mann. Friedrich hatte nur25000 Mann und der Rückzug war unmöglich- Da er sich alsoschlagen muß, so untersucht er die Stellung des Feindes, machtseinen Plan, stürzt über ihn her und erringt bei dem Dorfe SoorL.C.Tagtb.Nachtr.z. 7