gegen den Bürger einer Republik verrheidigte, der die Tyranneilehrte. Aber es möchte nicht eben leicht seyn zu entscheiden, inwiefern es Friedrich wirklich so meinte. So viel bleibt wahr, daßer, so bald er König wurde (1740), der Publikation seines WerksEinhalt thun wollte, allein es war zu spät."
Diese Reue, welche Friedrich zu erkennen gab, beweist noch kei-neswegö, daß er bei der Sache nicht wahrhaft gewesen sei. Eskommt ja tagtäglich vor, daß man eine Handlung gern ungethanmachen möchte, wobei man ganz ehrlich zu Werke ging. FriedrichsStellung war verändert. Sein Vater harte recht ernstlich daraufgedacht, ihn um die Krone zu bringen. Schon das Gefühl fürdas Schickliche konnte diese Reue einem Fürsten einflößen, der, in»dem er seine Schriften herausgab, sich der Veurtheilung des elen-desten ScriblcrS in der Republik der Wissenschaften Prciß gab, in-dem er allerdings in gleicher Qualität, als Mitglied dieser Republik,ein gleiches Recht hatte, jedes literarische Erzeugniß zu kritischen.Ucbrigens ist aber auch die Eegcneinanderstcllung des Erben einesThrones, der die Sache der Völker vcrthcidigt, und eines Bürgers,der sich der Sache der Könige annimmt, mehr geistreich als richtig;das wird jeder zugeben, der den Fürsten von Machiavel mit Auf-merksamkeit gelesen, das heißt, über dies Buch nachgcdacht har.Da inzwischen die Meinung, wornach der Fürst ein Werkzeug desDespotismus seyn soll, zwar angesochten werden kann, aber dochziemlich allgemein angenommen ist, so muß man sie schon zulaffcnund voraussctzen, daß es Friedrich bereute, den Verfasser eines Wer-kes widerlegt zu haben, der ihm die Mittel anzudeuten schien, dieunumschränkteste Gewalt ausüben zu können.
Wer etwa glauben möchte, daß diese Eigenheit Friedrichs, dergegen die Tyrannei schrieb, Napoleon fremd gewesen sei, würde ver-gessen, daß letzterer dreißig Jahre lang der Feind der höchsten Ge-walt war und es damit wohl ganz ernstlich gemeint haben mag.
Sobald Friedrich den Thron besteigt, weiht er jeden Augenblickder Verwaltung, der Politik, der Kunst zu regieren, dem Kriege.Die schönen Künste, die Wissenschaften, die er als Schriftsteller und alsFürst mir Erfolg betreiben zu können hoffen durste, werden, so wiejede frühere frivole Beschäftigung, bei Seite gelegt, an deren Stelletritt jetzt plötzlich und ununterbrochen Arbeit, das Eperziren undMustern der Truppen, die Politik, das Ausarbeiten ehrgeiziger Pläneund alles dasjenige, was früher den Neigungen Friedrichs durchausnicht zu entsprechen schien. Die Finanzen und das Heer fesseltenanfangs vorzugsweise seine Aufmerksamkeit. Sein Vater, der reichste