Druckschrift 
Nachtr., 2 (1825)
Entstehung
Seite
89
Einzelbild herunterladen
 

Falle/ daß derselbe tadellos gewesen wäre/ so würde er doch denVorwurf nicht haben vermeiden können, daß er sich und seine Des«cendcnten nicht in die glückliche Unmöglichkeit versetzt habe, einenüblen Gebrauch von dieser Gewalt zu machen. Nur durch Insti-tutionen konnte dies geschehen. Das Verdienst, sic zu geben undsich in diese löbliche Unmöglichkeit zu bringen, ist für gesetzgebendeFürsten und ihre Völker von ungleich größerem Werthe als jenes,von ihrer unumschränkten Gewalt keinen Gebrauch zu machen.

Der Plan, das Kardinals«Collegium und den heiligen Vatervon Rom nach Paris zu versetzen, hat zu der Meinung oder we-nigstens zu der Sage Anlaß gegeben, daß Napoleon Lust gehabthabe, sich zum Papst zu erheben. Es ist dies die Ansicht einessehr verdienstvollen Mannes, der aber, indem er Bonaparte, viel-leicht mit Recht, persönlich haßte, dieser Leidenschaft ohne Rückhalt,ohne Großmuch nachgiebt und, wenn er von ihm spricht, seinemImpuls folgt, ohne sich eines Besseren belehren zu lassen. Napo-leon sagte einst in seinem Bciseyn, cS gäbe nur drei Monarchenin ganz Europa, die eigentliche Macht besäßen, weil sie, als Ober-häupter deS Staats, auch Oberhäupter der Kirche waren und auSdiesem Grunde die Ehrfurcht und die Unterwerfung ihrer Völkergrenzenlos sei. Er nannte den Großhcrrn, den Czaar und den Kö-nig von England. Man hätte ihm antworten können, daß, wasdie beiden erster» betrifft, die Vereinigung jener zwei Machtvollkom-menheiten nicht verhindere, daß der eine von seinen Zanitscharenund der andere von seiner Garde dependtre und der eine wie derandere, bei aller dieser Ehrfurcht, unter deren Streichen falle. Peterder Zweite und Paul der Erste, Selim und Mustapha wären neuereBeispiele hiervon.

Die Ehrfurcht, welche der letztere König von England eivflößte,entsprang aus der wahren Achtung, die man für seine Privatcugen«den eben so sehr als für seinen hohen Rang empfand, oder auchaus der Religion seines Volks, vielleicht selbst aus der glücklichenLage, worein ihn die Konstitution seines Reichs versetzte, indem sieihm nicht gestattete, etwas anderes als das Gute zu thun. Wirkönnen nicht unbemerkt Een, daß das Beispiel für einen Freundder unumschränkten Gewalt schlecht gewählt ist, da letzterer bei derbrittischcn Konstitution sich in jedem Augenblicke bei seinen Unter-nehmungen gegen das Leben oder die Freiheit des geringsten seinerUnterthanen behindert sehen würde. Ein Tyrann will mit dem ei-nen wie mit dem andern ungestraft nach seiner Willkühr verfahrenkönnen und England ist derjenige Staat in Europa, wo dies amwenigstens geschehen darf.