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H. 75.
Die Königin.
1 . August 1816 .
Er sprach viel von seiner grauen und seiner weißen Stute. Bd.7.S. Zi.
Nichts muß mehr das Vertrauen, worauf ein GeschichtschreiberAnspruch macht, vermindern, als offenbar nur zur Belustigung an-gebrachte Geschichcchen und Ich begreife nicht, wie es dem Verfasserdes Tagebuchs einfallen konnte, eine alte ihm doch gewiß nicht un-bekannt gebliebene Anekdote zu Marie Antoinettens Verunglimpfungaufzuwärmen. Er läßt nämlich einen braven, würdige», deutschen,von dem Kaiser 2oseph empfohlenen General am Hofe der Köni-gin erscheinen, der denn auch, in Folge dieser Empfehlung, in demengem vertrauten Kreise derselben Zutritt findet. Unbekannt in die-ser Gesellschaft, ist er unglücklich in der Wahl der Gegenstände sei-ner Unterhaltung und in der ganzen Art seines Auftretens. Erspricht sehr viel von seiner weißen und seiner grauen Schimmel«stuce u. s. w. 2ch breche hier ad und will statt dieser entstelltenAnekdote diejenige, nach Zeit und -Ort davon verschiedene erzählen,welche vor beinahe zwei Jahrhunderten sich wirklich zugetragen hat.
Der Marschall d'Hocquincourt, der ohne dies Gespräch, waSihn Saint-Evremond mit dem Pater Canoye halten laßt, sehr we-nig bekannt seyn würde, war ziemlich rauh und derb und sprachimmer in lauter Gemeinplätzen. Die Königin Anna von Oesterreichhatte bisweilen ihre Lust mit ihm. Er besaß zwei Schlachtrosse,die er sehr liebte und auf die er sich gern bei der Unterhaltungbringen ließ. Eines Tages fragte ihn die Königin, welchen von bei-den er denn eigentlich den Vorzug gebe? „Gnädigste Frau! ant-wortete er mit einer komischen Gravität, wenn ich an einem Schlacht-tage meine Schecke ricce, würde ich nie absteigen und meine brauneSture nehmen, und wenn ich meine braune Stute ritte, eben sowenig absteigen und mir die Schecke bringen lassen." Der Marschallsprach das so höchst ernsthaft, daß alle anwesende Herren sich indie Lippen beißen mußten. Nach einigem Schweigen kam das Ge-spräch auf die Damen des Hofes. Zwei derselben galten vor al-len für schön und liebenswürdig. Die Königin fragt jetzt Rogue-laure, waS er dazu meine. Roquelaure macht ln Ton und Ge-behrde eS dem Marschall nach und antwortet langsam und feierlich:Wenn ich an einem Schlachttage eine Schecke ritte u. s. w. Ge-nug , genug! rief die Königin, Ihm schnell ins Wort fallend.