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Nachtr., 1 (1825)
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„Wir wohnten, sagt der General Rapp, zu Dombrowna bei einerrassischen Dame, welche den Much gehabt hatte, ihr Haus nichtzu verlassen. Ich hatte den Dienst. Der Kaiser ließ mich desMorgens rufen; er war höchst niedergeschlagen und freilich alles,was uns umgab, so gräßlich, daß eS wohl schwer gewesen wäre,nicht niedergeschlagen zu seyn. Er sagte zu mir: „Meine Sachegeht sehr schlecht; diese armen Soldaten zerreißen mir daS Herzund ich kann gleichwohl nicht helfen!" Er war mit manchen Per»sonen unzufrieden, die ich nicht nennen will. „Welche Theater«könige, sprach er, ohne Energie, ohne Mtith, ohne moralische Kraft!Habe ich mick denn wirklich so sehr irren können?" — Wir ka«men jetzt nach Borisow und hatten weder Schiffbrücken noch Le«bensmittcl. Das große russische Heer ging vorwärts; Wittgensteinrückte heran und die Truppen aus der Moldau versperrten uns denWeg. Von allen Seiten waren wir umringt; unsre Lage wurdebeispiellos schrecklich. Nur der Kops und der große Charakter desKaisers war im Stande, uns zu retten. Eigentlich konnte keinFranzose, Napoleon selbst konnte nicht davon kommen. Da gab erBefehl zu dem falschen Angriffe, der uns rettete. Wir gingeneinige Meilen vorwärts. Der General Mouton und ich brachtendie Nacht gemeinschaftlich auf einer Handvoll Stroh zu. Der mor«gende Tag beschäftigte unsre Gedanken und unsre Betrachtungenwaren nicht eben lustiger Arc. Um vier Uhr brachen wir wiederauf und erblickten bald die Wachtfeuer der Russen, welche daö jcn»seitige Ufer überdeckten. Wald und Sumpf war voll Russen, soweit man nur sehen konnte, sah man Russen. Der Strom wartief, schlammig, mit Eisschollen ganz bedeckt. Hier sollte der Ueber«gang erfolgen, hier mußte man hinüber — oder sich ergeben. Wirprophezeihten Böses. Der General Moucon drückte sich sehr frei«müthig aus. Schon oft hatte er dies selbst Napoleon gegenübergethan. Dieser behandelte ihn wie einen Raisonneur, liebte ihnaber deshalb doch recht sehr. Ney nahm mich auf die Seite undsagte auf deutsch zu mir: „Unsre Lage ist unerhört; wenn sichNapoleon heute zu helfen weiß, so muß er den Teufel im Leibehaben." Wir waren in großer Besorgnis und es fehlte uns nichtan Gründen, es zu seyn. Der König von Neapel kam herbei undwar nicht minder unruhig. „Ich habe dem Kaiser vorgeschlagen,er soll seine Person retten, soll einige Meilen von hier über denFluß gehen Ich habe Polen, die mir für den Erfolg bürgen undihn glücklich bis Wilna bringen werden. Aber er will nichts vonder Sache wissen, man darf gar nicht einmal davon sprechen. 2chzweifle meinerseits, daß wir uns retten können.